Am Mittelfenster des Westchors die überlebensgroße Erzstatue des Christus am Kreuz (Abb. [62]). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz für das von den Gebrüdern Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix, welches zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine zweite Messingtafel mit der Inschrift:
Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum,
Adspicite immiti trajectum pectora ferro,
Pectora foedatasque manus perfusaque tabe
Ora cruentatumque caput crinesque revulsos.
Cernite liventes atro squalore lacertos,
Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!
Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.
Bezüglich der Sage von den „Herrgottschwärzern“ siehe M. M. Mayer a. a. O., S. 7.
Abb. 62. Erzkruzifix am Westchor.
Epitaph der Ketzel von 1453. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Oben bildliche Darstellung: Rettung der Seelen aus dem Fegefeuer. Darunter Inschrift: „Anno domini Mccccxxxiii iar an sontag nach Maria geburt starb der erber elter Heinrich Ketzell, dem got genad.“ Darunter das Wappen der Ketzel und die Zeichen ihrer Würde als Ritter des Heiligen Grabes (Kreuz von vier kleinen Kreuzen umgeben), als Ritter des „Ordens von der Lilie oder vom Blumentopf“ des Ordens der „Equitum ensiferorum Cypri“ (Schwert, von einem S umschlungen) und als Ritter der hl. Katharina auf dem Berge Sinai (das halbe Rad der hl. Katharina). Darunter die Inschrift: „Dar nach starb sein sun Heinrich Ketzell am montag nach der heiligen drei kunig dag M cccc liii iar, dem got genad.“ Dieser Heinrich Ketzel war der erste aus seiner Familie, der zum Heiligen Grabe zog.
Epitaph der Pfinzing von etwa 1480. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Rechts das Wappen Pfinzing-Kreß, links Pfinzing-Lauffenholz, zwischen beiden die kleinen Wappen der Pfinzing und der von Plauen. Über den Wappen Inschrift, welche dahin noch entziffert werden kann, daß ein Berthold Pfinzing 1357, ein anderer Berthold Pfinzing 1479, ferner ein Otto und ein Sebald Pfinzing sowie des letzteren Frau Elisabeth, geb. Mendel, hier begraben wurden. Stark verwittert.