„Jawohl, alle Wissenschaft hört auf und blamiert sich angesichts der Tatsachen,“ grollte Münchhausen. „Wissen Sie gewiß, daß auf dem Saturn die Nacht nicht auch 15 Jahre dauert wie auf seinen Ringen?“
„Unsinn!“ rief der Gelehrte, obgleich er selber nicht mehr wußte, wo er dran war: „Das trifft ja wohl für die Polarzonen zu, nicht aber für diese Breiten.“
Unterdessen hatten sich auch die andern erhoben und wunderten sich, daß es noch nicht Tag werden wollte.
Schultze war nachdenklich, während man das Frühstück einnahm: er repetierte innerlich seine Kenntnisse des Saturn.
Plötzlich rief er: „Ich habs! Es herrscht hier eine Sonnenfinsternis, verursacht durch den Ring des Planeten.“
„Na! dann wird sie ja bald vorübergehen,“ sagte Münchhausen aufatmend; denn die rätselhafte Dunkelheit hatte ihm wirkliche Beklommenheit verursacht. „Freilich,“ fügte er bei, „für heute ist es nun schon nichts mehr mit dem Sonnenschein; es muß ja bald wieder Nacht werden; aber in sechs bis sieben Stunden werden wir das Tageslicht wieder schauen.“
„Wo denken Sie hin!“ widersprach Schultze. „Davon kann keine Rede sein: Diese saturnischen Finsternisse dauern mehrere Erdenjahre. Ich vermute, wir befinden uns hier etwa unter 23½ Grad Breite und haben dann mit einer Sonnenfinsternis von zehn Jahren zu rechnen.“
„Sie freuen mich!“ polterte der Kapitän: „Und da sollen wir wohl hier abwarten, bis der Ringschatten sich gefälligst entfernt oder die Sonne uns geschwind höhnisch durch eine seiner Lücken anlächelt, um dann wieder zu verschwinden? Oder sollen wir den vertrackten Weltkörper bei Fackelbeleuchtung untersuchen?“
„Nein!“ lachte Flitmore: „Wir steigen einfach wieder auf und landen auf einem günstigeren Breitengrade.“
„Ein ungastlicher Planet scheint Saturn doch zu sein,“ meinte Mietje: „In manchen Gegenden fast 15 Jahre Nacht, dann noch 10 Jahre Sonnenfinsternis, das gibt ja 25 Jahre Dunkelheit und nur 5 Jahre Tageshelle!“