Man wollte sich diesmal mit einem dreistündigen Schlafe begnügen, um sich ja nichts von dem kurzen Tage entgehen zu lassen.
Lady Flitmore, auf die nur noch eine Stunde Schlafes gekommen wäre nach ihrer zweistündigen Wache und die durchaus nicht gewillt war, den Saturnmorgen zu verschlafen, beschloß, sich überhaupt nicht zur Ruhe zu legen, sondern dem Kapitän bei dessen Wachzeit Gesellschaft zu leisten: sie hatte in Voraussicht dieses Falles vor dem Abstieg einige Stunden geschlafen und fühlte sich frisch und munter genug, um zehn, und, wenn es sein sollte, zwanzig Stunden zu wachen, ohne zu ermüden.
Alles lag im Schlaf; nur Lady Flitmore saß als treue Wächterin in der Nähe des flackernden Feuers, von Zeit zu Zeit ein Scheit nachlegend.
Eine kleine Erhöhung des Erdbodens diente ihr als Sitz. Der Grund bestand hier aus kahlem Felsgestein, das sich merkwürdig warm anfühlte, so daß Mietje es nicht für nötig gefunden hatte, eine Decke über ihren Sitz zu breiten, zumal der Fels gar nicht hart erschien: sie glaubte, es müsse eine Art Bimsstein sein und das bestätigte ihr die auffallende Leichtigkeit einzelner umherliegender Steine. Ein Block von der Größe eines Riesenkürbisses, den sie versuchsweise aufnahm, wollte ihr so leicht wie ein Gummiball erscheinen.
Es fiel ihr dabei ein, wie merkwürdig leicht auch das Eis am Pol befunden wurde und sie mußte denken, daß dem ein dem Saturn eigentümliches Naturgesetz zu Grunde liegen müsse.
Dann schweiften ihre Blicke umher. Die kahle Stelle war nur von geringer Ausdehnung; sie wurde von einem mannshohen Dickicht eingesäumt, das aus Schilf oder Röhricht zu bestehen schien und über welches in der Ferne ein Wald hochragender Bäume unheimlich finster herüberschaute.
Sie sah zum Himmel empor: da grüßten sie die bekannten Sternbilder so traut, daß ihr auf einmal zumute wurde, als befinde sie sich auf der heimatlichen Erde und die ganze Weltallreise sei bloß ein Traum gewesen. War sie nicht auch so sonderbar, wie es sonst nur im Träumen vorkommt?
Aber mitten unter diesen altbekannten Sternbildern teilte ein dunkler schmaler Bogen das ganze Himmelsgewölbe in zwei ungleiche Teile. Das war die Kante des Rings, der ihr zweifellos bewies, daß sie sich auf einem fremden Planeten befand, und das sagten ihr auch die vier Monde, die in ungleicher Größe und verschiedener Lichtstärke am Himmel hinwandelten, und deren einer soeben vom Schatten seines Zentralgestirns verdunkelt wurde.
Dort strahlte auch der Komet, den sie von der Tipekitanga aus erstmals erschaut hatte, in beinahe unheimlich blendendem Goldglanz.
Und siehe! Drunten am Horizont tauchte ein fünfter Mond auf! Ja, es war eine fremde Welt! Trotz der Sternbilder, die um kein Haar anders aussahen als am irdischen Himmel, war sie doch von der Erde entsetzlich weit entfernt! Wie hatte ihr Gatte gesagt? 1260 Millionen Kilometer, mehr als achtmal so weit als der Abstand der Erde von der Sonne beträgt!