Jetzt fuhr aber der Professor auf: „Nein! Da hört sich doch aber alle Wissenschaft auf! Das ist starker Tabak! Der Plan, dessen unendliche Erhabenheit ein besonders schwächliches Menschenhirnlein nicht verstehen kann, wird in eitlem Hochmutswahn „Planlosigkeit“ genannt? Na! Das ist doch gottlob nur ein Vereinzelter! Die gescheiten Geister, namentlich auch unter den Astronomen, hören nicht auf, die Großartigkeit der Weltordnung zu bewundern.“
„Da haben Sie wieder recht,“ bestätigte der Lord und schlug wieder Dr. Kleins Kosmologische Briefe auf. „Hier heißt es zum Beispiel: ‚Trotz dieser Einseitigkeit aber, (nämlich der Mittel des menschlichen Forschens), erkennen wir, daß die Anordnung der Welt so ist, als wenn sie von einer höchsten Intelligenz, die zugleich über ein unermeßliches Schaffensvermögen gebot, getroffen worden sei. Auch haben die größten Forscher aller Zeiten, die Begründer unsrer heutigen Naturwissenschaft, das Vorhandensein einer solchen Intelligenz angenommen. Die Existenz derselben folgt ebenso unzweifelhaft und notwendig aus dem ganzen Komplexe der Naturerscheinungen, wie das Vorhandensein einer anziehenden Kraft in der Sonne aus der Bewegung der Planeten um dieselbe in geschlossenen Bahnen‘.“
„Und Camille Flammarion,“ fuhr Flitmore fort, ein anderes Büchlein aufschlagend, „sagt in seiner ‚Urania‘: ‚Was ist das für eine sonderbare Eitelkeit, für eine einfältige Anmaßung, uns einzubilden, die Wissenschaft habe ihr letztes Wort gesprochen! ... Die Materie ist nicht, was sie scheint, und kein über die Fortschritte der positiven Wissenschaften unterrichteter Mensch könnte sich heute noch für einen Materialisten ausgeben‘.“
„Bravo!“ rief Schultze: „Nur sind leider die Ununterrichteten und Halbgebildeten, die sich aber selber für hochgebildet halten, in der Mehrzahl, und darum macht der Aberglaube so große Fortschritte in unserer Zeit, wie die Monistenbünde beweisen.“
„Pah!“ sagte Heinz: „Der Wille ist alles: diese Leute wollen der Vernunft nicht glauben, weil sie ihren Trieben unbequem ist, sie wollen lieber den Widersinn glauben, und nur darum machen sie die Augen zu vor der Wahrheit und nennen den Wahn Vernunft.“
„Das mag stimmen,“ gab der Professor zu, „zweifellos aber wird die Gottesleugnung stets der sicherste Beweis einer geringen Intelligenz sein.“
Nun nahm John das Wort, der bisher aufmerksam zugehört hatte: „Also meinen die Herrschaften sozusagen alle, es sei gebildet an die Bibel zu glauben? Ich dachte immer, es sei unter den heutzutägigen Verhältnissen gebildeter, an keinen Gott mehr zu glauben, wie man so oft hört; aber so ganz im Innersten war es mir immer doch so, als wenn dann etwas fehlen müßte, die Hauptsache um zu verstehen, daß etwas da ist und daß etwas sein und geschehen kann; und dann sah ich ja auch, daß meine gnädigste Herrschaft so fromm sind und doch gebildet und vernünftig.“
„Ja, mein Sohn, die Sache ist so: wenn du an keinen Gott glaubst, so werden dir die meisten Leute sagen, du seist sehr vernünftig und hochgebildet; denn die Halbgebildeten sind, wie gesagt, stets in der großen Mehrzahl. Hältst du aber fest am Schöpferglauben, so wird dich diese Mehrzahl verhöhnen, aber die wirklich Gescheiten werden dich für vernünftig und gebildet halten und du wirst es auch sein.“
„Dann will ich doch lieber glauben, wie Sie!“ erklärte der gute Mann.
Inzwischen sauste die Sannah weiter durch den Raum und es war kein Ende abzusehen.