Rieger machte große Augen. „Eine Million Jahre?“ stammelte er: „Und da sollen wir hin?“
„Warum denn nicht? Nur daß wir einige Millionen mal schneller reisen als ein Expreßzug. Die Amina, unser Komet, ist ein flinkeres Beförderungsmittel, wie du siehst. Wenn ich übrigens vorhin von Kleinigkeiten redete, so ist das nicht bloß Spaß gewesen, denn Sirius, der helle Hundsstern, ist acht bis neun Lichtjahre von der Erde entfernt, 1300mal so hell und 40000 bis 50000mal so groß wie unsere Sonne; der Polarstern ist 40 Lichtjahre, Canopus, der hellste Stern am südlichen Himmel, gar 269 Lichtjahre entfernt, er leuchtet 10000 bis 15000mal so hell als die Sonne und ist 1½ Millionen mal so groß; das ist das mindeste: er kann auch hundert-, tausend- oder millionenmal größer sein; das entzieht sich unserer Berechnung. Deneb im Schwan kann ebenso groß oder noch größer sein als Canopus, und das gilt auch von Rigel, dem hellsten Stern im Sternbild des Orion, an seiner untern Ecke rechter Hand.
Dieser prachtvolle Stern von rein weißem Licht mag 500 Lichtjahre entfernt sein, also 30 Millionen mal so weit als die Sonne, die er 20000mal an Lichtstärke übertrifft. Wenn wir auf einem Blatt Papier die Entfernung von der Erde zur Sonne mit 1 Millimeter bezeichneten, so brauchten wir einen Bogen von 30 Kilometer Länge, um den Abstand Rigels im gleichen Verhältnis einzuzeichnen. Begreifst du nun, daß die Entfernung von Alpha Centauri eine Kleinigkeit ist?“
„Allerdings, sozusagen nach der Verhältnismäßigkeit betrachtet.“
„Nun gibt es aber möglicherweise unter den Fixsternen riesige Sonnen, gegen die auch diese unausdenklichen Kolosse nur Sonnenstäubchen sind; denn von den 100 Millionen Fixsternen, die vorhanden sein mögen, sind uns nur etwa von 60 die Parallaxen bekannt.“
John, der begierig jedes ihm unbekannte Wort aufschnappte und nach seiner Weise verketzerte, fragte wißbegierig: „Und was dürfte dann unter dieser benannten ‚Polaraxe‘ zu verstehen sein?“
„Ja, wie soll ich dir das jetzt klar machen? Siehst du den Punkt hier mitten an der Decke? Also von einem Ende dieses Saales richte ich ein Fernrohr dorthin, du eines vom andern Ende aus. Diese Fernrohre sind gegen einander geneigt in einem Winkel, dessen Spitze der beobachtete Punkt ist. Nun, dieser Winkel, den die Linien bilden, die von dem Punkte durch unsere beiden Fernrohre gehen, im Verhältnis zu der Entfernung dieser von einander, ist die Parallaxe des Punktes. Wir können also ebenso sagen, seine Parallaxe ist der Neigungswinkel, den unsere beiden auf den Punkt gerichteten Teleskope zusammen bilden im Verhältnis zu ihrer Entfernung von einander.
Wenn wir nun die Entfernung von einem Ende des Saales bis zum andern kennen und die Winkel, die unsere Fernrohre mit dem ebenen Fußboden bilden, messen, so können wir die Höhe des Dreiecks berechnen, das der Punkt an der Decke mit den beiden Punkten bildet, an denen die durch unsere Teleskope gehenden Strahlen des beobachteten Punktes den Fußboden treffen. Wir können also ausrechnen, wie weit der betreffende Punkt vom Fußboden entfernt ist.
Nun siehst du wohl, mein Freund, daß wenn wir statt des Punktes an der Decke durch unsere Fernrohre einen Stern betrachten, der Tausende von Millionen Kilometer entfernt ist, die Neigung unserer Rohre gegen einander so unendlich klein wird, daß sie gleich Null erscheint. Wir können also für den Stern keine Parallaxe finden.
Je weiter wir jedoch von einander entfernt sind, desto mehr werden sich die Teleskope gegen einander neigen, wenn wir sie auf denselben Punkt richten. Man könnte also hoffen, die Parallaxe eines Sterns zu finden, wenn man ihn in der gleichen Sekunde auf zwei weit von einander entfernten Punkten der Erde beobachtet, deren gegenseitiger Abstand bekannt ist, und wenn beide Beobachter den Winkel messen, den die Richtung ihrer Teleskope mit der Ebene bildet. Ebensogut kann man dies erreichen, wenn ein einzelner Beobachter von demselben Ort aus den Stern zu verschiedener Nachtzeit beobachtet, wenn die Umdrehung der Erde seinen Standpunkt um etliche tausend Kilometer verschoben hat.