Aber solche Entfernungen erwiesen sich zu klein, es war keine meßbare Neigung der Beobachtungsrichtungen zu einander festzustellen; also die Fixsterne zeigten keine merkliche Parallaxe.
Nun wählte man eine weit größere Grundlinie des Dreiecks: man beobachtete die Sterne in Zwischenräumen eines halben Jahres. Bei der ersten Beobachtung befand sich dann der Beobachter am einen Ende der Erdbahn, bei der zweiten am andern; das bedeutete einen Abstand von 300 Millionen Kilometern der beiden Beobachtungspunkte von einander.
Groß war die Verblüffung, als auch da keine meßbare Parallaxe der Fixsterne zu finden war! Erst mittelst äußerst verfeinerter Instrumente gelang es Struve 1836 und Bessel 1839 die erste Fixsternparallaxe zu messen. Man fand für den Stern 61 im Schwan auf diese Weise eine Entfernung von 9½ Lichtjahren. Bessel dankte seinen Erfolg dem von Fraunhofer hergestellten vorzüglichen Heliometer. Das ist derselbe Fraunhofer, dem wir vorzüglich auch die Fortschritte der Spektralanalyse verdanken.“
John schnappte auch dieses Wort sofort auf und sagte bescheiden:
„Wenn es Ihnen nicht zuviel sein dürfte, Herr Professor, meine Wenigkeit auch über diesen mir noch dunkeln Punkt aufzuklären, so wäre ich besonders dankbar, was ich schon lange wünschte, zu erfahren, was es mit dieser Speck-Strahl-Anna-Liese für eine Bewandernis hat.“
„Auch das sollst du wissen,“ lachte Schultze: „Schau, wenn man einen Lichtstrahl durch geschliffenes Glas gehen läßt, so löst er sich auf in farbige Bänder und Streifen. Das nennt man nun ein Spektrum. Je schmäler der Lichtstrahl ist, desto deutlicher ist sein Spektrum und da beobachtet man zwischen den farbigen Bändern mehr oder weniger breite dunkle Linien, die sogenannten „Fraunhoferschen Linien“, benannt nach ihrem Entdecker. Ferner unterbrechen auch helle und farbige Linien das Spektrum, und Kirchhoff und Bunsen wiesen nach, daß man aus diesen Streifen, Linien und Bändern genau die Stoffe erkennen kann, die sich als glühende Gase in einer Lichtquelle befinden; sogar nach Menge und Mischung können sie erkannt werden.
Auf diese Weise weiß man die Stoffe, welche in der Sonne und den Sternen enthalten sind: Das Spektroskop verrät sie uns.
Aber noch mehr hat es uns verraten. Wenn eine Lichtquelle sich rasch bewegt, so verschieben sich die Spektrallinien gegen das violette Ende des Farbenspektrums, wenn sich die Lichtquelle nähert, gegen das rote Ende, wenn sie sich entfernt. Daraus hat man bei den Fixsternen, die sich auf die Erde zu oder von ihr weg bewegen, sogar die Schnelligkeit der Bewegung berechnen können.“
„Ich meinte aber, die Fixsterne bewegen sich nicht,“ wandte John ein.
„Das glaubte man wohl früher; jetzt aber weiß man, daß sie ihre Eigenbewegung haben. Diese läßt sich auch durch das Teleskop beobachten, wenn sie senkrecht zur Gesichtslinie gerichtet ist. Da gibt es Sterne, die schon in 200 Jahren um eine Vollmondsbreite am Himmel vorrücken, was in Wirklichkeit Millionen und aber Millionen Kilometer bedeutet, angesichts ihrer großen Entfernung. So scheint Arcturus zum Beispiel mit 670 Kilometern in der Sekunde hinzurasen, was tausendmal schneller ist als das schnellste Geschoß; auch Alpha Centauri hat eine große Eigenbewegung.“