„Ein weicher Teppich,“ das war hier keine bloße Redensart: tatsächlich waren diese fein gefiederten Gräser in ihrem durchsichtig leuchtenden Grün so weich wie Flaum und Daunen.

Und die Blumen dieser herrlichen Wiesen! In allen Farben leuchteten sie; doch was ihnen den ganz besondern Reiz gab, war ihre unendliche Zartheit, die selbst die Frühlingsblüten der Erde in Schatten stellte. Wie ein Lichthauch, wie ein körperloser Duft, so wiegten sich diese Sterne und Kelche in der balsamischen Luft, die von ihren tausend Wohlgerüchen erfüllt war.

So durchsichtig zeigten sich die Blütenblätter, daß man tatsächlich wie durch feinstes buntes Glas den Hintergrund deutlich durchschimmern sehen konnte; je nachdem aber das Licht auffiel, wurde es in den zartesten Farben zurückgeworfen, so daß farbige Strahlenbündel von den Blüten auszugehen schienen, obgleich sie nichts von eigener Leuchtkraft besaßen und sich hiedurch von den Wunderblumen der Tipekitanga wesentlich unterschieden; dennoch erschienen sie, wenigstens bei Tag, unendlich reizvoller als diese.

Diese fremdartige und doch so über die Maßen entzückende Durchsichtigkeit schien überhaupt der Pflanzenwelt des paradiesischen Planeten ihre besondere Eigenart zu verleihen. Dort erhoben sich Büsche mit großen, prächtigen Blumen, gleich Glocken herniederhängend, gleich Tellern und Schalen schwebend, gleich kleinen Ballons oder Seifenblasen in runden, ovalen, zylindrischen oder zusammengesetzten Formen emporstrebend; im Hintergrunde ragten Wälder von früchtebeladenen Bäumen empor, teils schlanke, teils knorrige Stämme mit Zweigen voll Anmut im Schwunge der Linien, mit Blättern gleich durchbrochenen Spitzen in allen erdenklichen Musterungen; und das alles blinkte und glitzerte, wo es das Licht zurückwarf, während es vollkommen durchsichtig erschien, wo die Strahlen hindurchdrangen.

Dabei wirkten diese durchsichtigen Formen vielfach wie Kristalle und Prismen, brachen tausendfach die Lichter in allen Regenbogenfarben, wodurch je nach der eigenen Färbung des Gegenstands und der Farbe der durchscheinenden Strahlen die wundersamsten Tönungen und zartesten Mischungen zustande kamen, so daß selbst die tiefsten Schatten das Auge durch ihren Farbenreichtum erfreuten.

Und nun erst der See, dieses lachende Himmelsauge! Ein Blau von einer auf Erden nie zu schauenden Tönung, ein Hauch, ein Duft von Saphir schien seine Grundfarbe auszumachen und hart am Ufer war er so durchsichtig, daß die bunten Sandkörner am Grunde einzeln zu sehen waren; wo sich aber die Farbenstrahlen, die sich rings in der Luft kreuzten und mischten, in seinen Wassern spiegelten, da entstanden Flächen von verschiedenster Färbung und das Auge irrte umher und wußte nicht, wo es am schönsten sei, und dann wurde es wieder gefesselt von dem Goldglanz, von dem Silberschimmer, von dem Rosenhauch da und dort, als ob es sich nicht mehr loszureißen vermöchte von dem märchenschönen Anblick.

Aber es mußte wieder los: die Inseln und Inselchen, der wunderbare Linienschwung der Ufer, die Buchten und Landzungen, die fernen jenseitigen Küsten, die Hügelränder und die erhabenen Felsenmauern mit ihren zackigen Kämmen und seltsamen Formen, — das alles heischte sein Recht und nötigte zu immer neuen Ausrufen des Staunens.

In jedem Augenblick glaubte irgend wer in der Gesellschaft etwas Neues entdeckt zu haben, das alles bisher Geschaute in Schatten stellte, und man machte einander aufmerksam darauf und Augen und Seelen feierten einen ununterbrochenen Festtag beseligenden Genießens.

„Eden, Eden!“ rief Flitmore aus, der völlig aus seiner gewohnten kaltblütigen Ruhe gerissen war. „Welch andre Benennung könnten wir finden, um diesem Paradiese seinen gebührenden Namen zu geben? Und wäre der ganze Planet sonst eine trostlose, abschreckende Wüste, dieser eine Fleck rechtfertigt es, daß wir ihn mit dem Namen des Landes bezeichnen, das den Garten des Paradieses umschloß.“

„Recht haben Sie,“ rief der Professor seinerseits: „Eden soll dieser neue Planet heißen!“