Gleich beim Eintritt in den Wald machten sie auch Bekanntschaft mit dessen Insekten- und Vogelwelt.
Erstere zeigte nichts Widerliches oder Schreckliches, es waren harmlose Käfer und Kriechtiere, Mücken und Schmetterlinge, die sich sowohl durch schöne Formen wie durch prächtige Farben auszeichneten und als besondere Merkwürdigkeit eine ähnliche Transparenz zeigten wie die Pflanzen und Blüten. Sie glitzerten, schimmerten und schillerten, blitzten, flimmerten und flirrten wie leuchtende Edelsteine.
Die Vögel hatten kein Gefieder, sondern bloß ein buntes Flaumkleid, das aber lebhaft gefärbt und wunderbar schön gezeichnet war; auch ihre Flügel waren federlos und konnten im Bau am ehesten mit Schmetterlingsflügeln verglichen werden, nur daß sie ebenfalls mit Flaum behaart und im Ruhezustand nicht emporgerichtet, sondern an den Leib angelegt waren, auch die entsprechende Wölbung zeigten.
Wo Menschen beinahe fliegen konnten, mußten sich diese Vögel auch mit so einfachen Flugwerkzeugen bis in die höchsten Höhen erheben können.
Alles in allem, eigentümlich war auch die Vogel- und Insektenwelt Edens; aber so ganz fremdartig erschien sie den Erdenbewohnern doch nicht, und vor allem, sie hatte nichts Abstoßendes, Unheimliches oder Gefährliches, im Gegenteil hervorragende Reize, die Auge und Herz erfreuten.
Ganz besonders galt das letztere, das Herzerfreuende, von dem ungemein lieblichen Gesang der Vögel, mit dem weder die Nachtigall noch sonst ein gefiederter Sänger der Erde wetteifern konnte. Das waren richtige Melodien, die da ertönten, und zwar erhebende und einschmeichelnde Weisen! Man hätte wohl kaum die Arten nach ihren melodischen Motiven unterscheiden können, höchstens an der Klangfarbe ihres Organs, denn keine Art war an besondere Tonfolgen gebunden: es war ein wirklich individuelles Konzert; jeder war Komponist und beherrschte die ganze Tonleiter und brachte immer neue, einfache, aber doch bezaubernde Weisen hervor, und nie tönten diese von verschiedenen Seiten störend durcheinander; es schien, als werde der jeweilige Einzelsänger respektiert und die andern begleiteten ihn nur mit harmonischen Untertönen.
Löwe auf Mietjes Schoß.
Noch nicht lange hatten unsre Freunde diesen Zauberflöten gelauscht, sich gleichzeitig an den ersten köstlichen Früchten erlabend und die lebendigen Edelsteine bewundernd, die im durchsichtigen Moose umherkrochen und hüpften, oder von Blume zu Blume schwirrten, als plötzlich Mietje einen leisen Schrei ausstieß.