Dabei legte er dem Löwen die Linke auf das Haupt.
Das Tier sah ihn nur an.
Jetzt griff ihm der Lord unter den Kiefer, stets bereit, ihm eine Kugel ins Auge zu jagen, sobald er böse Absichten zeigen würde.
Das Tier aber zeigte sich verständig und lenksam. Ein leiser Druck genügte, es sich erheben zu lassen, und ein schwacher Schub von der Seite her veranlaßte es, ganz gemütlich umzukehren und wieder im Walde zu verschwinden.
„Ach!“ sagte Mietje. „Ich bin ganz froh!“
„Das glaube ich, Lady,“ fiel Schultze ein, „wahrhaftig, das glaube ich, daß Sie froh sind, dieses gefährliche Raubtier auf so gute Art los geworden zu sein; wir alle haben für Sie gezittert und gebebt.“
„Nein!“ sagte Mietje: „Sie mißverstehen mich, Herr Professor; dieses gutmütige Geschöpf flößte mir nur im ersten Augenblick einen kleinen Schrecken ein, ehe ich seine Harmlosigkeit aus seinen Augen erkannte. Nein, nein also! Ich wollte sagen, ich bin so froh, daß auch die Säugetiere auf diesem, Planeten denen auf der Erde gar nicht so unähnlich zu sein scheinen. Ich weiß nicht, aber auf dem Mars und dem Saturn kam mir die Welt ganz unheimlich vor, und das war doch noch in unserm Sonnensystem. Da war ich schon darauf gefaßt, wenngleich ohne mich darauf zu freuen, daß es in der entfernten Fixsternwelt noch weit seltsamer und grauenvoller aussehen werde.“
„Ein Glück,“ meinte Münchhausen, „daß, sofern wir aus dem Geschauten weitere Schlüsse ziehen dürfen, diese Tierwelt Edens wenigstens an Raubgier, Blutdurst und damit an Gefährlichkeit der irdischen Raubtierwelt bei weitem nachzustehen scheint.“
„Lassen wir die Vorsicht nicht aus den Augen,“ mahnte Flitmore. „Diesmal lief es gut ab; doch niemand kann uns gewährleisten, daß wir nicht bedenklichere Begegnungen erleben.“
„Vor den Löwen Edens fürchte ich mich schon nicht mehr,“ meinte die Lady zuversichtlich. „Das wäre ja schnöder Undank und verwerfliches Mißtrauen!“