41. Eine paradiesische Nacht.
Wie ein Märchentraum erschien die Wanderung durch diesen blütenreichen Edengarten unsern Freunden.
Sie scheuten sich bald nicht im mindesten, selbst die gewaltigsten und raubtierähnlichsten der Tiere zu berühren und zu streicheln, was diese verständnisvoll und mit einer gewissen Zärtlichkeit erwiderten, sei es, daß sie die liebkosenden Hände sanft leckten, sei es, daß sie mit Haupt oder Rüssel sich herabneigend den fremden Freunden anschmiegend ihr Wohlwollen zu erkennen gaben; und dabei mäßigten sich auch die behendesten, muskelkräftigsten und massigsten dieser Geschöpfe so rücksichtsvoll in ihren Bewegungen, daß man daraus die bewußte Sorgfalt erkennen konnte, ja keinen Schaden zuzufügen.
Hätte etwa so ein Mammut mit seinem Rüssel eine etwas temperamentvolle Liebesbezeugung ausführen wollen, wie er es seinen Kameraden oder Familiengliedern gegenüber tat, so wäre selbst Münchhausens solide Masse zu Boden geschleudert worden.
Aber alle diese Tiere wußten das richtige Maß einzuhalten.
Die zweite Sonne neigte sich ihrem Untergange zu, — die erste war schon vor einer Stunde hinter dem Horizont verschwunden, — als unsre Freunde endlich daran dachten, ihr Lager aufzuschlagen.
Die Früchte des Waldes hatten Hunger und Durst so nachhaltig gestillt, daß selbst der Kapitän während der stundenlangen, meist sprungweise ausgeführten Wanderung, kein einzigesmal die Notwendigkeit einer Mahlzeit betont hatte. Und dabei war er einer der eifrigsten im Hüpfen, wobei es ihm ganz besonderen Spaß machte, über den hohen und breiten Rücken der größten Kolosse hinwegzusegeln.
Auch während des Aufschlagens der Zelte zeigte er sich noch unermüdlich in Ausübung dieses erheiternden Sports; denn um den Lagerplatz herum weideten just einige riesige Pelzelefanten.
John und Heinz pflöckten die Zelte ein, während die übrigen der Zirkusvorstellung zuschauten, die Münchhausen gab, mehr zu seinem eigenen Vergnügen, als um seine Gefährten zu belustigen.