Und als nun auch Heinz sein „Großartig!“ beigesteuert hatte, fühlte sich John verpflichtet auch seinen Beifall zu äußern, indem er ausrief: „Wirklich important!“
Imposant war allerdings das Feuerwerk, das sich in der Dämmerstunde entwickelte: kleinere und größere Feuerfliegen und Leuchtkäfer erhoben sich in die Luft; da sah man Funken, Sterne und Flammen teils aufblitzen und verschwinden, teils ununterbrochen flimmern.
Das Neue und besonders Herrliche aber war das Farbenspiel dieser lebendigen Meteore und Sternschnuppen; denn gelbes, rotes, blaues und grünes Licht ging je nach ihrer Art von ihnen aus.
Auch auf dem Boden wurde es lebendig und hell: da krochen die Funken und Laternchen der Glühwürmer und leuchtenden Schnecken und Ameisen durcheinander, als rollten und rieselten selbstleuchtende Edelsteine, Topase, Rubinen, Smaragde, Amethyste und Saphire dahin.
„Es ist mir unbegreiflich,“ bemerkte Münchhausen, dem höchst poetisch zumute wurde, „wie es Schriftsteller, ja solche, die Dichter sein wollen und zu sein glauben, heutzutage fertig bringen, ‚der Dämmer‘ zu sagen, statt ‚die Dämmerung‘. Der Dämmer! Welch ein Wort! Ohr, Gemüt und Vernunft wird gleicherweise dadurch beleidigt und die traute Stimmung und Vorstellung der zarten Dämmerung geht dabei völlig verloren, wird sozusagen totgeschlagen mit einem groben Knüppel in der Faust eines Tölpels. Sehen Sie doch diese weichen Schleier, die von unsichtbaren Elfenhänden in der dunkelnden Luft ausgebreitet werden; wie dämpft dieses schleiernde Weben die farbigen Lichtstrahlen unsrer nächtlichen Feuerwerker! Und nun soll man sich dieses zartwebende, sachthändige, leisschwebende und schleierumwallte Wesen als eine männliche Persönlichkeit vorstellen? Nein! ich bitte Sie, was ist das für eine Geschmacklosigkeit, Stilwidrigkeit, ja für ein Blödsinn! He, Professorchen! Können Sie sich etwa die liebliche, einschmeichelnde Dämmerung durch einen Mann verkörpert denken, den Dämmer?“
„Ne, Kapitän, wenn ich mir denken sollte, Hugo von Münchhausen, so elegant er zu schweben versteht, senke sich von Schleiern umwogt hernieder und wollte mich mit ruhespendenden Elfenhänden liebkosen als schmeichelnde Dämmerung, ich wäre aus allen Märchenträumen gerissen.“
„Münchhausen als Fee der geheimnisvollen Dämmerung ist gut! Ausgezeichnet! Diese Vorstellung stimmt mich heiter!“ sagte Flitmore lachend.
Heinz aber meinte: „Wer es zuwege bringt, diesen neumodischen Ausdruck ‚der Dämmer‘ zu gebrauchen, beweist damit ohne weiteres, daß ihm nicht nur jegliches Sprachgefühl, sondern auch aller Sinn für Poesie abgeht, was allerdings für die große Mehrzahl unsrer Versemacher zutrifft; denn zu keiner Zeit gab es so viele Dichter und so wenig Poeten wie heutzutage.“
„Darum verhöhnen sie auch die Poesie als hohles Pathos, weil sie die Göttin nicht ehren dürfen, deren Gunst, Geist und hoher Flug ihnen versagt blieb, falls sie nicht ihre eigene Wertlosigkeit einsehen und eingestehen wollen!“ fügte Münchhausen noch hinzu.
„O, meine Herrschaften, ein Nordlicht!“ rief plötzlich John und wies nicht nach Norden, wohl aber nach Osten.