„Das ist ja ein Mond!“ berichtigte der Professor. „Wahrhaftig, ein würdiger Mond für eine Nacht im Paradiese!“
Der Mond, der über die Berge tauchte, hatte eine unbeschreiblich liebliche und duftige Rosafärbung. Nur die zartesten unter den wilden Rosenblüten oder der blühende Hauch, der ein luftiges Wölkchen vor Sonnenaufgang über dem Meere der italienischen Riviera in rosigen Schimmer taucht, hätte zum Vergleich herangezogen werden können.
Bald schwebte der Mond, der etwa doppelt so groß erschien, wie der Trabant der Erde, frei am tiefdunkeln Himmel zwischen den blitzenden Sternen. Und nun ergoß er sein entzückendes Rosenlicht über die ganze Landschaft.
Auf einmal schien ein neues Leben zu erwachen, nachdem es sich kaum ein Stündchen über die Zeit der Dämmerung zur Ruhe gelegt hatte: Vögel durchschwirrten die Luft und ließen wundervolle sanfte Weisen ertönen, Grillen zirpten in melodischen, einschmeichelnden Weisen; kleinere Tiere, den Hasen, Wieseln und Igeln ähnlich, letztere mit bunten durchsichtigen Stacheln, tummelten sich lustig umher, spielend und sich balgend, hüpfend und tanzend und seltsame Purzelbäume schießend.
Kurz, es gab wieder genug zu sehen, zu hören und zu bewundern, wenn nicht schon der Zauber der magischen, bengalischen Mondbeleuchtung genügt hätte, um alle wach zu halten: wer hätte eine solche feenhafte, ja wahrhaft paradiesische Nacht stumpfsinnig verschlafen mögen.
Aber auch neue Blumen erschlossen ihre Kelche, äußerst zarte, feingeformte Gebilde, meist leuchtend weiß mit goldgelben Staubfäden, doch vom Mondlicht rosig überhaucht; auch hellblaue und hellrote Winden, silberschimmernde Kapuzinerkresse und andere Blüten öffneten sich dem Rosenmond und hauchten Düfte aus, deren Süßigkeit alle Wohlgerüche des Tages weit zu überbieten schienen.
Acht Stunden leuchtete der rosa Mond; kaum aber war er untergegangen, so stieg ein etwas kleinerer Mond von lichtblauer Farbe am entgegengesetzten Horizonte auf.
Sein mildes Licht wirkte ungemein beruhigend. Es wurde überall still; die Tierwelt begann zu schlafen und auch die Kelche der Nachtblumen schlossen sich.
Aber wieder sprangen neue Blüten auf, große Dolden, bunte Mohnhäupter, und ein einschläfernder Wohlgeruch gesellte sich zum einschläfernden Lichte.
Auch unsere Freunde wurden still und fühlten schließlich das Verlangen nach Schlaf.