Schultze leitete mit folgenden Worten den allgemeinen Rückzug in die Zelte ein: „Wenn die beiden Monde sich jede Nacht so pünktlich ablösen, wie heute, so hat dieses Paradies stets zwei Nächte, von denen die erste für das Vergnügen und die höchste Beseligung, die zweite erst für den Schlaf bestimmt zu sein scheint. Nun haben wir auch die blaue Nacht vier Stunden lang bewundert; legen wir uns zur Ruhe, wir haben noch zehn Stunden bis Sonnenaufgang.“
„Danken wir dem allgütigen Gott,“ sagte der Lord, „der uns diese neuen Wunder seiner Allmacht zu schauen würdigte; vor allem aber wollen wir ihn preisen, daß er uns auf einer so lieblichen Friedenswelt landen ließ, die keine Schrecken noch Gefahren zu bergen scheint. Trotzdem wollen wir bei allem Gottvertrauen nicht lässig und leichtfertig sein und nicht versäumen, die Wachen zu halten, wie die Vorsicht es uns gebietet; denn es ist eben doch ein unbekannter Planet, auf dem wir uns befinden und der außer dem Guten und Schönen, das wir kennen lernten, noch viel des Unbekannten bergen wird, von dem wir noch nicht wissen, wie es sich uns darstellen mag.“
„Lassen Sie mich die erste Wache übernehmen,“ bat Heinz, „ich fühle noch gar kein Schlafbedürfnis.“
„Gut! Nach drei Stunden wecken Sie mich, die mittlere Wache will ich selber übernehmen,“ sagte Flitmore.
„Und die Morgenwache bitte ich mir aus,“ erklärte der Professor, „schon der astronomischen Beobachtungen wegen, die für uns von Wert sein können.“
Dabei blieb es, und alle, bis auf Heinz Friedung, zogen sich zurück.
Nach anderthalb Stunden seiner Wache sollte der jugendliche Wächter entdecken, daß der Planet Eden nicht bloß zwei Nächte besaß, wie Schultze festgestellt hatte, sondern deren drei!
Der blaue Mond neigte sich nämlich zur Rüste, als ein neuer Mond aufging, diesmal ein dunkelgrün gefärbter. Er war wesentlich kleiner als die beiden andern, etwa gerade so groß wie der Mond unserer Erde, der scheinbaren Größe nach.
Eine halbe Stunde lang standen beide Monde gleichzeitig am Himmel; dann leuchtete nur noch der grüne Mond mit geheimnisvoll mattem Licht. Offenbar war diese dritte, die grüne Nacht, erst die rechte Nacht des tiefen Schlafes; die blaue Nacht war sozusagen der Spätabend, der den ersten Schlaf auf die Lider senkte.
Alles blieb still, wie ausgestorben, kaum ein Lüftchen wehte den Dufthauch aus den zahllosen Blüten herüber.