Ganz entzückend war der Geflügelhof; denn Fasanen, Pfauen und Perlhühner reichten mit ihren Farben und Zeichnungen weit nicht heran an die verschiedenen Arten eierlegender Haushühner, Enten und Gänse, die hier wimmelten. Auch die Eier dieser Vögel Edens übertrafen an Wohlgeschmack weit diejenigen ihrer irdischen Basen und erschienen überdies gefärbt wie leuchtende Ostereier oder gesprenkelt wie die schönsten Eier der Singvögel auf Erden.
Heinz, der immer rascher und tiefer in die eigentümlichen Geheimnisse der Sprache Edens eindrang, machte stets den Dolmetscher; aber schon begannen auch die andern alle dies und jenes zu verstehen, nachdem sie einmal darauf aufmerksam gemacht worden waren, daß die natürliche Lautverwandtschaft den besten Schlüssel liefere. Merkwürdigerweise war es John, der bei weitem am raschesten auffaßte, jedenfalls weil er sich am unbefangensten dem angeborenen Sprachinstinkt überließ.
Gabokol versicherte einmal über das andre, wie er sich freue und die Seinigen sich freuen würden, die lieben Gäste aus einer andern Welt beherbergen zu dürfen. Er werde jedem ein eigenes Zimmer anweisen; denn hier sei man so sehr gewohnt, Gäste zu beherbergen, je öfter und je mehr desto lieber, — so daß jedes Haus zu drei Vierteilen aus Gastzimmern zu bestehen pflege.
Eine Haustüre war nicht vorhanden; man stieg, wie bei allen Häusern Edens, durch das Dach ein; da die Villa einstöckig war, gelang allen der etwas hohe Sprung. Gabokol und Fliorot schwebten voran.
„Ma!“ rief Gabokol, als sie das Innere der Wohnung betraten.
Alsbald erschien eine Lichtgestalt, ein Wesen von einem Zauber der Anmut, Jugendfrische und Schönheit, wie niemand bisher ähnliches geschaut, abgesehen von Schultze, der sich von seiner Morgenwache her einer noch weit lieblicheren Erscheinung erinnerte.
Aber schon die Hausfrau, die unsern Freunden entgegenschwebte, bewies, daß auch auf Eden das weibliche Geschlecht das schönere war, so vollkommen sich auch die männliche Schönheit darstellen mochte.
„Bleodila“, stellte Gabokol seine Gattin vor, mit Betonung des O des klangvollen Namens, den Heinz als „die Blühende“ übersetzte, entschieden ein Name, der dieser Frauenblume angemessen war.
Bleodila war sehr erfreut, fremde Gäste bei sich zu schauen, und führte sie in die Wohnstube, deren Wände aus Bergkristall bestanden und mit Edelsteinen in künstlerischen Blumenmustern verziert waren.
Hier wurden unsre Freunde eingeladen, in bequemen Sesseln aus buntem, durchsichtigen Binsengeflecht sich niederzulassen.