Mach mich frei von eitlen Dingen,
Nur von Dir allein zu singen!
Als der erhebende Gottesdienst zu Ende war, trat der greise Priester geradewegs auf unsre Freunde zu und sprach:
„Wir haben gehört, daß ihr Fremdlinge einer fernen Gotteswelt den ewigen Schöpfer kennt und anbetet gleich uns. Das ist uns eine hohe Freude! Nun wäre es dieser ganzen Gemeinde ein besonderes Fest und gewiß dem Allgütigen angenehm, wenn in diesem Heiligtum zum erstenmale in fremder Zunge von Gottesgeschöpfen eines weltfernen Planeten Gottes Lob erklänge; darum, wenn ihr uns erfreuen wollt, eines eurer frommen Lieder zu singen, so wären wir euch dankbar.“
„Ein feste Burg!“ sagte Flitmore kurz zu seinen Begleitern.
Und ohne sich zu besinnen stimmten sie den Choral an. Es schien ihnen, als seien ihre Stimmen zu Strömen gewachsen, so brauste das Lied aus wenigen Kehlen durch die Hallen dahin, und der Gesang bewährte seinen heiligen Zauber auch in dieser höheren Welt, denn unter lautloser Stille lauschten ihm die Tausende mit Andacht und sichtlicher Ergriffenheit.
Als nun die ganze Gemeinde das Gotteshaus verließ, machten unsre Freunde in Begleitung ihrer Wirte Besuche bei mehreren den letztern befreundeten Familien und folgten zuletzt der Einladung des Provinzfürsten zum Mittagsmahl.
Hierauf machten sie einen Ausflug vor die Stadt und bewunderten die prächtigen Kulturen: die wogenden Getreidefelder mit ihren durchsichtigen Goldähren, die Gemüse- und Nutzpflanzungen, die Viehweiden.
In Scharen schwebten die festlich gekleideten Edeniten in der Umgegend umher und es war ein himmlischer Anblick, sie so leicht dahingleiten zu sehen, umflossen von ihren spinnwebzarten Gewändern, die in allen Regenbogenfarben leuchteten. Noch höheren Genuß bereitete es, diese vollkommenen Gestalten und diese von Schönheit, Anmut und Herzensfreundlichkeit strahlenden Gesichter zu bewundern. Und doch mußte sich Heinz sagen, so reizende Mädchen und Jungfrauen sich darunter befanden, das heißt solche von besonders hervorragender Anmut und Schönheit, denn reizend waren eigentlich alle Edeniten zu nennen, so fand sich doch keine, die Heliastra an bezaubernder Lieblichkeit gleich gekommen wäre, sie blieb die Perle Edens.
Da und dort spielte die Jugend unter Silberlachen und Scherzen; das war ein Wirbeln und Hüpfen, Fliehen und Haschen auf der Erde und in den Lüften, und die Spiele waren alle so sinnig und voll der spannendsten Zwischenfälle, daß man stundenlang mit dem lebhaftesten Interesse dem bunten Treiben zusehen konnte.