Die Gelehrten zeigten Schultze einen Sternkatalog mit genauen Karten, der über 500 Millionen Sterne enthielt, unter diesen auch das irdische Sonnensystem mit sämtlichen Planeten und ihren Monden.
Ihre langen Nächte und ihr langes Leben gestatteten ihnen eben auch neben der Vorzüglichkeit ihrer Sehwerkzeuge, Aufgaben zu lösen, die den Menschen unmöglich wären.
Während die irdischen Astronomen nur durch die Spektralanalyse mit Sicherheit festzustellen vermögen, ob ein Nebelfleck, der auch durch das stärkste Fernrohr als solcher erscheint, in Wirklichkeit ein Sternnebel sei, oder aber ein Sternhaufe, eine große Zahl Sterne, die durch ihre scheinbare Nähe infolge der großen Entfernung nicht mehr als einzelne Sterne von einander unterschieden werden, konnten die Sternkundigen Edens mittelst ihrer Fernrohre Nebel und Sternhaufen deutlich unterscheiden.
Auch sie waren der Ansicht, daß die meist spiralförmigen Nebel die Werkstätte des Schöpfers seien, in der durch Verdichtung des weltenbildenden Stoffs neue Sterne, ja ganze Sonnensysteme gebildet würden, die sich aus dem häufig erkennbaren Zentralkern und den vielfach beobachteten anderweitigen Lichtknoten in der Nebelmasse herausbilden.
Schultze hielt auf Wunsch den Astronomen einen öffentlichen Vortrag über den Stand und die Errungenschaften der irdischen Astronomie; dabei führte er auch an, was David Gill in seiner berühmten Rede über die Bewegung und Verteilung der Sterne im Raume sagt: „Wir haben die Milchstraße als zwei majestätische Sternströme erkennen gelernt, die nach entgegengesetzten Richtungen wandern; der eine dieser Ströme führt das irdische Sonnensystem mit sich in unendliche Weiten, der andere wandert der Erde entgegen. Die Milchstraße löst sich im Fernrohr in Haufen unzähliger Sterne auf, die zum Teil in dichten Schwärmen beieinander stehen und mit geballten Nebelflecken erfüllt sind, zum Teil von dunkeln, gewundenen Kanälen unterbrochen erscheinen.“
„Eure Hauptsonne,“ fuhr der Professor fort, „wandert im Sternenstrom mit einer Schnelligkeit von 184 Kilometern in der Sekunde; unsere Erde mit ihrem ganzen Sonnensystem bewegt sich auf das Sternbild des Herkules oder der Lyra zu mit einer Geschwindigkeit von wahrscheinlich ebensoviel als die Umdrehungsgeschwindigkeit unsrer Erdkugel um die Sonne beträgt, nämlich 29450 Meter in der Sekunde oder etwa 30 Kilometer, den zehnten Teil eines ‚Fluges‘ nach eurer Rechnung im Zeitraum ‚Zwei‘, wie ihr unsere Sekunden benennt.
Die Spektralanalyse, wie David Gill in seiner angeführten Rede sagt, hat uns die Sterne enthüllt als gewaltige Schmelztiegel des Schöpfers, in denen er den Stoff unter den Bedingungen des Drucks, der Hitze und Umgebung gestaltet in einer Mannigfaltigkeit und einem Größenmaßstabe, die alle Begriffe seiner Geschöpfe übersteigen.“
Drei Wochen dauerte der Aufenthalt in der Hauptstadt, dann wurde die Rückreise auf einem andern Wege angetreten, wobei unsere Freunde auch die ungeheuren Felsenwüsten Edens zu Gesicht bekamen, die keine Erde und daher auch keinen Pflanzenwuchs hatten, und an deren Bedeckung mit Erde emsig gearbeitet wurde.