Hier war es noch auszuhalten, und die unausdenkbare Wucht, mit der das Weltschiff von den zusammengeprallten Planeten fortgeschleudert wurde, brachte es in kürzester Zeit aus dem Bereiche der Stichflamme, so daß es sich allmählich wieder abkühlte, ohne ernstlichen Schaden genommen zu haben.
„Wir haben eine Weltkatastrophe erlebt,“ sagte nun Flitmore, „wie sie gar nichts so Seltenes ist.“
„Allerdings,“ bestätigte der Professor: „Seit uns der Fixsternhimmel näher bekannt ist und man gelernt hat, auf derartige Erscheinungen zu achten, hat man das Aufleuchten neuer Sterne öfters beobachten können.
Charakteristisch für diese Erscheinungen ist die Nova Persei, das heißt der neue Stern, der im Jahre 1901 im Sternbild des Perseus aufleuchtete. Er erschien zunächst als Stern 12. Größe, wurde innerhalb dreier Tage zu einem Stern erster Größe, dem hellsten am ganzen Firmament außer Sirius: sein Licht hatte um das 250000fache zugenommen, nahm aber dann ab, bis es wieder so schwach war, daß der Stern als zwölfter bis dreizehnter Größe erschien. Er muß mindestens 100 Lichtjahre von der Erde entfernt gewesen sein und umgab sich nach dem Ausbruch mit einer Nebelhülle, die wenigstens das 1400fache des Erdbahndurchmessers umfaßte und Verdichtungsstreifen und Lichtknoten aufwies, die sich, gering geschätzt, mit mehr als 3000 Sekundenkilometern Geschwindigkeit fortbewegten.“
„Diese neuen Sterne entstehen also durch das Aufleuchten zweier dunkler Weltkörper, wenn sie sich durch einen Zusammenstoß erhitzen?“ fragte Heinz.
„Eigentlich glaubt man das weniger,“ entgegnete Schultze, „da dann das rasche Erkalten und Erblassen innerhalb weniger Wochen oder Monate unerklärlich wäre.“
„Wie erklärt man dann diese Vorfälle?“ mischte sich nun Mietje in die Erörterung.
„Sehr verschieden!“ sagte Schultze. „Die einen meinen, es handle sich um erloschene Sonnen, die für uns unsichtbar wurden, nachdem sie sich mit einer Erstarrungskruste umgaben, plötzlich aber wieder aufleuchten, wenn die innere Glut die Kruste vorübergehend durchbricht. Auch das Einstürzen eines großen Meteors könnte das plötzliche Aufleuchten verursachen.
Wilsing nimmt an, daß die sehr große Annäherung zweier ungefähr gleichgroßer Sterne eine Flutwelle in der Atmosphäre und dem feurigflüssigen Innern des einen hervorrufe. Dadurch würde ein Teil seiner Oberfläche fast von seiner ganzen Lufthülle entblößt, und die innern Glutmassen würden die dünne Erstarrungsdecke durchbrechen.
Seeliger im Gegenteil glaubt, daß ein erkalteter Weltkörper, in eine Wolke kosmischen Staubes eindringend, durch die Reibung an seiner Oberfläche in Glut gerade. Diese Vermutung stimmt allerdings nicht zu unsern Erfahrungen, nach welchen jedes Gestirn seine Lufthülle besitzt, die es vor solcher Reibung schützt.