Sannah im Meteorenschwarm.

Mochte dem sein, wie ihm wollte, jedenfalls war es Tatsache, daß man ganze Schwärme von kleineren und größeren Meteoren zu sehen bekam: ein entzückendes Feuerwerk.

„Sie haben ja recht behalten, Lord,“ gestand Schultze nun ein: „Aber rätselhaft bleibt es mir, warum, wenn doch offenbar die Reibung an der dünnen Weltatmosphäre genügt, um die Meteore zu entzünden, die irdischen Sternschnuppen erst dann zum Leuchten kommen, wenn sie in die Erdatmosphäre eintreten?“

„Die Sache ist sehr einfach: weil sie eben zuvor keiner oder doch nur einer geringen Reibung ausgesetzt sind. Sehen Sie, ich erkläre mir den Vorgang so: die Meteorschwärme haben ja wohl ihre Eigenbewegung, aber wahrscheinlich teilt die Weltatmosphäre in ihrer Bahn diese Bewegung, möglicherweise hat auch jedes noch so kleine Meteor seine eigene Lufthülle, die es aus der Raumatmosphäre an sich zieht; dadurch wird die Reibung aufgehoben oder auf ein geringes Maß beschränkt.

Gerät aber die Erde in einen solchen Meteorschwarm, so läßt die Anziehungskraft der Erde die Meteore mit rasender Geschwindigkeit stürzen; beim Eintritt in die dichtere Erdatmosphäre werden sie ihrer Lufthülle plötzlich beraubt, der Widerstand der Luft streift sie ihnen gleichsam ab, und nun entsteht die Reibung, die sie in plötzliche Glut versetzt.

Wenn wir nun hier leuchtende Meteore sehen, so ist der Fall allerdings insofern ein anderer, als keine dichtere Atmosphäre das Aufglühen veranlaßt, jedenfalls aber ein ungemein beschleunigter Sturz. Diese Meteore müssen in die Anziehungssphäre eines Planeten, vielleicht des Jupiter, geraten sein und stürzen nun mit solch rasender Geschwindigkeit durch den Raum ihm zu, daß der Widerstand der verhältnismäßig ruhenden Weltatmosphäre sie ihrer Lufthülle beraubt, falls wir eine solche annehmen wollen, jedenfalls aber ihre Reibung an der Weltatmosphäre stark genug wird, sie in Weißglut zu versetzen.“

John Rieger lauschte mit offenem Munde diesen großartigen Ausführungen seines Herrn, die ihm um so mehr Ehrfurcht einflößten, als er nicht das mindeste davon begriff.

Aber bildungsdurstig, wie er stets war, wandte er sich an Professor Schultze, der es besser verstand, sich seinem Verständnis anzupassen.

„Mit untertänigst gnädigstem Verlaub, Herr Professor,“ hub er an: „Sie reden da so viel äußerst Belehrendes von den Motoren oder Sternschuppen; aber wenn Sie einmal die gütigste Liebenswürdigkeit hätten, mich genauestens aufzuklären, was diese leuchtenden Motoren von Grund aus sind, so wäre ich Ihnen vorzugsweise verbunden.“

„Sehr gern, mein Freund!“ erwiderte der Professor bereitwilligst: „Wie du ganz richtig bemerkt hast, sind Meteore und Sternschnuppen im Grunde dasselbe. Es sind kleinere oder größere Körper, die im Weltraum sich befinden. Wenn nun die Erde in ihre Nähe kommt, werden sie von ihr angezogen und sie stürzen mit größerer oder kleinerer Geschwindigkeit in die Lufthülle der Erde. Je rascher sie hereinstürzen, desto mehr erhitzen sie sich, aber um so mehr verlieren sie auch an Fallkraft, so daß sie weiter unten nicht schneller stürzen als diejenigen, die von Anfang an langsamer fielen.