Die Erhitzung mag mehrere tausend Grad betragen; dabei kommen sie zum Leuchten und schmilzen an der Oberfläche, wogegen sie im Innern ziemlich kalt bleiben. Wenn sie die Erde erreichen, sind sie durchaus nicht besonders heiß, was eben daher kommen mag, daß ihr Sturz je tiefer desto langsamer wird.
Die meisten aber kommen gar nicht bis zur Erde herab, weil sie hoch oben schon so heiß werden, daß sie sich in Gase auflösen: Das sind dann Sternschnuppen. Gelangen sie jedoch bis zur Erde, so sind es Meteore. So nennt man sie aber auch, wenn sie besonders groß und hell erscheinen; übertreffen sie an Glanz die hellsten Sterne, so heißt man sie Boliden; verbreiten sie einen ganz außerordentlichen, oft taghellen Glanz, so bezeichnet man sie als Feuerkugeln; solche treten aber nur sehr selten und immer vereinzelt auf, während Sternschnuppen und Meteore in ganzen Schwärmen vorkommen.
Natürlich willst du nun wissen, woher diese Dinger eigentlich stammen. Manche behaupten, Meteoriten, d. h. kleine Meteore, kämen vom Mond. Sicher aber ist, daß die Sternschnuppen und Meteorschwärme von Kometen herrühren. Erstens einmal sind ihre Bahnen denen der Kometen durchaus ähnlich; zweitens aber hat man schon beobachtet, daß Kometen, die der Sonne oder dem Jupiter zu nahe kamen, sich in Meteorschwärme aufgelöst haben.
Dafür ist besonders der berühmte Bielakomet ein lehrreiches Beispiel. Dieser kam 1846 dem Jupiter zu nahe und zersprang dadurch in zwei Stücke, die 1852 zu richtiger Zeit wiederkehrten, aber 1858, als sie wieder erscheinen sollten, nirgends zu finden waren. Seither hat man ihn nicht wieder gesehen; als jedoch die Erde 1872 und 1885 seine Bahn kreuzte, geriet sie in einen Meteorschwarm, der als prächtiger Sternschnuppenhagel das Auge entzückte. Das waren die Überreste des stolzen Kometen. Diesen Meteorschwarm nannte man die Leoniden, weil er aus dem Sternbild des Löwen zu kommen schien; zuletzt ist auch dieser Meteorschwarm verschwunden.“
„Das leuchtet mir spezifisch ein,“ sagte John befriedigt, „daß die Motore von den Kometen herkommen; denn man nennt doch die Kometen „Haarsterne“, weil sie sozusagen eine goldene Mähne haben. Aber aus solchen goldenen, leuchtenden Haarverhältnissen dürften vermutungsweise auch goldene, leuchtende Schuppen fallen, und das sind dann die so richtig benannten Sternschuppen.“
Alle lächelten über diese gelungene, echt volkstümliche Wortableitung; der Professor aber sagte lachend:
„Brav, mein Sohn! Bleibe nur bei dieser Erklärung, so behältst du alles am besten inne; denn Schuppen oder Schnuppen sind in Grunde Schnuppe und Schuppen können zwar lästig sein, aber so ein hartnäckiger Schnuppen ist doch noch weit unangenehmer. Aber noch weißt du nicht, aus was für Stoffen die Meteore eigentlich bestehen. Sie enthalten allerlei: Kieselsäure, Magnesia, Eisen, Nickel, Kupfer, Wasserstoff, Sauerstoff, auch Kohlenstoff und zweifellos organische Bestandteile, das heißt Spuren von Pflanzen oder lebenden Wesen, die uns Kunde geben, daß auch andere Welten solche besitzen, wie wir jetzt ja auf dem Mars mit eigenen Augen sehen; manchmal findet man sogar Diamanten im Innern eines Meteorsteins. Meistens sind es größere oder kleinere Eisenblöcke.“
„Ja,“ mischte sich der Lord in die Auseinandersetzung: „und drei solche hat der berühmte Nordpolforscher Peary gestohlen!“
„Gestohlen?“ fragte Heinz erstaunt.
„Jawohl. Dieser Peary fand bei den Eskimos eiserne Werkzeuge. Überrascht hievon, erkundigte er sich, woher das Eisen stamme. Man antwortete ihm stets: „Vom Eisenberg!“ Wo sich aber dieser rätselhafte Eisenberg befand, wußten nur die ältesten Männer des Stammes und diese verrieten ihr Geheimnis nicht.