Auf späteren Reisen erwarb sich Peary nach und nach das Vertrauen der Eskimos in so hohem Grade, daß sie endlich seinem Drängen nachgaben und ihn zu dem rätselhaften Eisenberg führten, der aus drei gewaltigen Meteoren bestand. Die Eskimos hatten ihnen Namen gegeben: „Die Zehn“, „Das Weib“ und „Den Hund“ nannten sie diese Eisenklötze, die für sie ein ganz unschätzbares Kleinod waren, das einzige Eisen in den arktischen Regionen! Aufs gemeinste hat Peary das ihm entgegengebrachte Vertrauen mißbraucht. Unter großen Schwierigkeiten ließ er die drei Meteore, ja alle drei! heimlich an Bord schaffen und beraubte so die armen Eskimos, die wahrhaftig hart genug ums Dasein zu kämpfen haben, ihres kostbarsten Schatzes, den sie so lange unter strengstem Geheimnis gehütet hatten. In Newyork erhielt er 200000 Mark für seinen Raub. Ob er wohl das Sündengeld mit gutem Gewissen eingesackt hat?“

„Das ist allerdings ein Schurkenstreich erster Güte!“ eiferte Schultze empört: „In meinen Augen hat Peary seinen Ruhm damit aufs schmählichste befleckt.“

„Und sehen Sie, so ist unsere europäische und amerikanische Christenmoral,“ fuhr der Lord fort: „Jedermann weiß, was dieser Peary da verübt, und doch feiert man ihn, ja man bewundert noch die Kühnheit und List, mit der er die Eskimos hintergangen und bestohlen hat. Hätte er einem Amerikaner solche Wertgegenstände geraubt, so käme er dafür ins Zuchthaus.“

„Ja ja! Aber so arme Eskimos bestehlen, das ist ja wohl etwas anderes, eine Heldentat!“ fügte Schultze grimmig bei.

Als der Professor seine Empörung über die Schuftigkeit eines berühmten Mannes einigermaßen überwunden hatte, fühlte er sich bewogen, John noch eine besonders interessante Mitteilung über die Meteoriten zu machen:

„Du siehst,“ sagte er, „es fallen zu Zeiten recht stattliche Eisenblöcke vom Himmel; manchmal geht ein ganzer Hagel von Meteoren nieder. Vom Jahr 823 wird berichtet, daß in Sachsen durch einen solchen Meteorhagel Menschen und Vieh erschlagen und 35 Dörfer vom Feuer verzehrt worden sind. Der berühmte Arzt und Chemiker Avicenna beschreibt genau Meteoritenfälle, die um 1010 in Ägypten, Persien und anderwärts niedergingen. Am 1. Oktober 1304 fielen bei Friedeburg an der Saale feurige Steine wie Hagel und richteten großen Schaden an. Am 7. November 1492 fiel bei Ensisheim ein 260 Pfund schweres Meteor, von dem ein Stück noch heute in der dortigen Kirche hängt. Am 4. September 1511 ereignete sich bei Crema ein ungeheurer Steinregen, der die Sonne verfinsterte. Es stürzten etwa 1200 Meteore herab, darunter solche von 260 und 120 Pfund; sie erschlugen Vögel, Vieh und Fische, auch einen Mönch.

Und ähnliche Fälle kamen noch zu Dutzenden in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien vor, wobei mehrfach Menschen ums Leben kamen. Eine ganze Anzahl derselben wurde ausführlich beschrieben, oft von einwandfreien Gelehrten und Professoren; sogar wissenschaftliche Kommissionen untersuchten die Aerolithen, und trotzdem wollte die Wissenschaft nicht daran glauben; ja die französische Akademie der Wissenschaften erklärte es feierlich für einen Blödsinn, wenn man behaupte, es könnten Steine vom Himmel fallen. Allerdings wurde sie durch einen alsbald erfolgenden großartigen Steinregen in Frankreich gründlich blamiert; aber man sieht daraus, wie zäh die Zweifelsucht beschränkter Köpfe ist, die sich für Leuchten der Welt halten. Es ist heute nicht anders, es gibt jetzt noch genug Vertreter dieser wissenschaftlichen Beschränktheit, die vor den augenfälligsten Tatsachen wie der Vogel Strauß den weisheitgeschwollenen Kopf in den Sand stecken, sobald ihnen etwas über den Horizont geht: solche Kleingeister spötteln heute über die Wünschelrute, das Hellsehen, die Weissagungen der Propheten und wollen gar die Geschichtlichkeit eines Jesus leugnen, genau wie jene Akademiker an keine Meteoriten glauben wollten; es ist die Sorte, die nie ausstirbt und gegen welche Götter selbst vergebens kämpfen!“

„Sachte, sachte, Professorchen,“ lachte Münchhausen: „Sie sind auch nicht immer gläubig und haben sich schon manchmal mit Ihren Zweifeln verrannt.“

„Gebe ich zu! Aber hernach sehe ich es ehrlich ein und hülle mich nicht in Eigensinn und überlegenes Lächeln.“

„Am meisten,“ nahm der Lord das Wort, „belustigen mich die Gelehrten, die aus erhabenem wissenschaftlichen Wirklichkeitssinn jede Möglichkeit leugnen, ein Mensch könne Zukünftiges vorhersagen. Aus dieser vorgefaßten Meinung heraus geben sie sich unendliche Mühe, mit einem fabelhaften Aufwand von Phantasie und Mangel an Logik die prophetischen Weissagungen der Bibel wegzuerklären, und dann erzittern sie, wenn sie zu dreizehnt am Tische sitzen, weil das ein kommendes Unglück bedeuten soll, oder wenn ihnen eine schwarze Katze über den Weg läuft: ja, eine Zahl und eine Katze halten sie für Propheten und den prophetischen Geist begreifen sie nicht! Nirgends sieht man es so deutlich bewiesen: Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren worden!“