Der grünen Wiese schloß sich eine blumige Au an: die roten, gelben und blauen Blumen strahlten jede ihr eigentümliches Licht aus; man glaubte, den leuchtenden Saft in den Stengeln emporsteigen und in dem feinen Geäder der Blütenblätter kreisen zu sehen.

Das weiße Licht entstrahlte dem Boden an Stellen, die des Pflanzenwuchses bar waren und die aus leuchtender Kreide oder Kalkstein zu bestehen schienen.

Dann kamen Gebüsche und Stauden mit zartviolettem Blattwerk, Bäume, zwischen deren mattlichten Blättern orangerote und goldgelbe, auch purpurne und silbergraue Früchte förmlich strahlten und gleich venezianischen Laternen die Umgegend erhellten.

Wunderbar erschien vor allem das Silberleuchten der Bäche, die sich durch die Auen schlängelten und der weißaufblitzende Schaum der Wasserfälle, die sich von felsigen Hügeln herabstürzten. Diese massiven Felsen, die sich aus der Ebene erhoben, stellenweise auch als tafelartige Flächen in der Ebene selber lagen, bildeten die dunkeln Flecken, die unsern Freunden gleich zu Anfang aufgefallen waren. Sie erhöhten in ihrem Teil den Reiz des Ganzen und der zauberhafte Eindruck des farbenbunten Lichtes hätte sicher Einbuße erlitten, wenn nicht die Schatten es wirksam unterbrochen und gehoben hätten.

Märchenschön erschienen die Teiche und Seen, deren Gewässer in verschiedenen Farben vom lichtesten Blau bis zum dunkelsten Violett, vom zartesten Rosa bis zum düstersten Purpur glühten. Über ihnen schwebten die beweglichen, durchleuchteten Nebelwolken, die sich, vom Nachthauch getrieben, in zerflatternden Streifen über Wiesen und Auen hinzogen.

Die Berge, die stellenweise zu überklettern waren, zeigten sich stets von mäßiger Höhe und boten keine besonderen Schwierigkeiten. In der Regel war das Gestein dunkel; doch auch hier waren Schichten selbstleuchtender Mineralien eingesprengt und einen besonders feenhaften Anblick gewährte es, wenn man über Geröll dahinwanderte, das aus lichtsprühenden Steinchen aller Färbungen bestand: es war, als schritte man über Diamanten Rubine, Saphire und andre Edelsteine hinweg, die im eigenen Glanze funkelten und bei jedem Tritt bunt durcheinanderrollten mit melodischem Klingen und wunderbarem Geblitz und Geflimmer. Flitmore machte fleißig farbige photographische Aufnahmen, die sich späterhin als von wunderbarer Wirkung erwiesen und ein herrliches und dauerndes Andenken an die buntleuchtende Pracht der Tipekitanga bildeten.

Nach fünfstündiger Wanderung, die nur durch eine halbstündige Frühstücksrast unterbrochen worden war, sahen unsre Freunde die Sonne hinter sich emporsteigen.

Wie Flitmore richtig vermutet hatte, löschte ihr Glanz den Hauptreiz des Wunderplaneten aus.

Zwar erschienen die leuchtenden Farben auch jetzt noch von einer Pracht, mit der nichts auf der Erde sich vergleichen ließ und man konnte das eigene Licht des Erdbodens, des Wassers und der Pflanzen ganz deutlich unterscheiden. Aber das feenhafte Schauspiel, das sie im nächtlichen Dunkel boten, war es nun doch nicht mehr.

Wie in einem Märchentraum waren die Wandrer bisher dahingewandelt, schwelgend in nie geahnter Seligkeit des Schauens. Jetzt brachte das altgewohnte Licht des Tagesgestirns das Erwachen, doch konnte es nicht die Eindrücke verwischen, die sich ihnen unauslöschlich eingeprägt hatten.