„Ja, aber wie ist es mit den Schweifverhältnissen?“ fragte der wißbegierige John weiter.

„Ja so! Von Hause aus haben die Kometen keinen Schweif und sind sehr lichtschwach, obgleich sie zweifellos eigenes Licht ausstrahlen. Erst wenn sie sich unsrer Sonne nähern, leuchten sie immer heller auf und senden eine oder mehrere, oft pendelartig schwingende Ausstrahlungen der Sonne zu, die sich unter starker Verbreiterung zurückbiegen und den Kometenkern mit einer strahligen Nebelmasse umhüllen, die man ‚Koma‘ nennt.

Die umgebogenen Ausstrahlungen setzen sich fort in dem der Sonne stets abgewendeten Schweif, der allein dem bloßen Auge sichtbar ist und oft eine Länge von vielen Millionen Kilometern erreicht. Bei der Sonnennähe oder kurz darauf erreicht er seine größte Länge und Helligkeit. Je mehr sich der Komet von der Sonne entfernt, desto schwächer und kürzer wird sein Schweif, bis er samt Koma und Ausstrahlungen verschwindet und nur noch eine matte, runde Nebelmasse, ein leichtes Wölkchen übrig bleibt, wie vor der Annäherung an die Sonne.

Kometen, die der Sonne nicht nahe kommen, bilden nur eine runde oder auch unförmliche Nebelmasse, matt und verwaschen, ohne Schweifbildung.

Bis jetzt ist noch kein Komet beobachtet worden, dessen Perihel oder Sonnennähepunkt weiter als die Jupiterbahn von der Erde entfernt wäre; das beweist nicht, daß es nicht auch solche gibt, sondern nur, daß sie uns nicht sichtbar werden wegen allzu geringer Leuchtkraft.

Manche Kometen entwickeln mehrere mehr oder wenig gekrümmte Schweife. So breitete der Komet von 1744 sechs fächerförmige Schweife aus; er war so hell, daß man ihn mit bloßem Auge zur Mittagszeit in der Nähe der Sonne sehen konnte.“

John war noch nicht befriedigt und fragte weiter: „Wieso aber eigentlich, falls doch die Kometen von Natur aus schweiflos sind, wächst ihnen ein solcher, wenn sie zur Sonne gelangen?“

„Das macht die anziehende Kraft der Sonne, mein Bester. Allerdings begreift man noch nicht zur Genüge, warum die Ausstrahlungen, die anfangs der Sonne zustreben, zurückgebogen werden und so den der Sonne abgewendeten Schweif bilden, dessen Krümmung abhängt von dem Verhältnis der abstoßenden Kraft zur Bahngeschwindigkeit des Kometen. Vielfach wird angenommen, das Sonnenlicht übe diese abstoßende Wirkung aus, andre denken an elektrische Erscheinungen. Es können da viele Kräfte wirksam sein, die wir noch nicht kennen. Wenn sich zum Beispiel der Schweif in mehrere auseinandergehende Büschel spaltet, scheinen schwächere, seitlich wirkende Kräfte wirksam zu sein. Man beobachtet zuweilen auch im Schweif eine wolkenähnliche Verdichtung, die selber wie ein kleiner Komet aussieht, der ebenfalls eine Mähne besitzt. Auch plötzliche Lichtausbrüche kommen vor, seltener eine plötzliche Lichtabnahme.“

„Meine Fliehkraft erklärt alles,“ warf der Lord ein: „Die vom Kometen ausgestoßenen Stoffe sind mit Zentrifugalkraft geladen und werden daher von der Sonne abgestoßen.“

„Mag sein!“ sagte Schultze achselzuckend und fuhr dann fort: „Was nun den Stoff betrifft, aus dem die Kometen bestehen, so scheint er von äußerst geringer Dichte zu sein; wenigstens der Schweif muß eine äußerst dünn verteilte Staub- oder Dampfwolke sein; denn die Sterne schimmern unverdunkelt und ohne Lichtbrechung hindurch.