Die Spektralanalyse wies Natrium- und Eisenlinien nach, namentlich auch Kohlenwasserstoff und Kohlenoxyd; es ist also immerhin möglich, daß so ein Kometenschweif Petroleum enthält und andere Stoffe, auch giftige Gase, die gefährlich werden könnten, wenn sie in die Erdatmosphäre eindrängen. Andrerseits scheint ihre geringe Dichtigkeit jede Gefahr wieder auszuschließen. Jedenfalls hat die Erde im Jahre 1861 den Schweif des Halley-Kometen durchkreuzt ohne Schaden zu nehmen, ja ohne daß es nur irgendwer merkte; erst nachträglich wurde die Tatsache bekannt. In früheren Zeiten freilich glaubte man, die Kometen gingen von irdischen Dünsten aus und brächten Pest und Seuchen; auch als Kriegsruten, die großes Blutvergießen und andere schwere Katastrophen anzeigen sollten, wurden sie angesehen.“

„Ganz ausgeschlossen ist es trotzdem nicht,“ meinte der Lord, „daß unter ungünstigen Verhältnissen die Luft der Erde durch Kometengase vergiftet werden könnte, so daß alles Leben in einem Augenblicke zu Grunde ginge. Was uns vor diesem Schicksal bewahrt, ist meiner Ansicht eben der Umstand, daß die Fliehkraft die Erde veranlaßt, diese Stoffe von sich abzustoßen. Sternschnuppenregen und Meteorfälle aber belehren uns, daß diese abstoßende Kraft auch überwunden werden kann, und dies hängt wahrscheinlich mit der Geschwindigkeit des Zusammentreffens ab. Begegnet zum Beispiel die Erde dem Schweife eines sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit bewegenden rückläufigen Kometen, so erfolgt der Zusammenstoß mit großer Plötzlichkeit, da beide einander entgegensausen und sich so die Geschwindigkeit der Erde zu der des Kometen addiert. In diesem Fall dürfte der abstoßenden Kraft die Zeit fehlen, in Wirksamkeit zu treten.“

„Wie ist es aber,“ fragte nun Mietje, „wenn ein Weltkörper, sagen wir die Erde, mit dem Kern oder Kopf des Kometen zusammenstößt?“

„Das ist eine Frage für sich,“ erwiderte der Professor. „Im allgemeinen ist ja die Sache für den Kometen selber am gefährlichsten. Wir sehen ja, wie die Annäherung an die Sonne einen Teil seines Kerns in flüchtige Bestandteile auflöst, die beispielsweise beim Kometen von 1843 einen Schweif von 320 Millionen Kilometern bildete. Ziehen nun die Kometen den Schweif auch wieder ein, so erleiden sie doch enorme Verluste an Materie und werden so immer geringer an Masse, bis sie sich schließlich ganz auflösen.

Bekanntlich kam der Bielasche Komet 1845/1846 dem Jupiter so nahe, daß man einen Zusammenstoß erwartete; doch erlitt der große Planet keinen sichtlichen Schaden, während der Komet in zwei Teile gespalten wurde, die späterhin ganz verschwanden oder vielmehr einen Meteorschwarm bildeten, durch den die Erde des öfteren dahinging, bis auch er schließlich ausblieb.

Der Septemberkomet von 1882, dessen Vorübergang vor der Sonne Finlay und Elkin am Kap der Guten Hoffnung am lichten Tage beobachten konnten, ging durch die Glutatmosphäre der Sonne. Wie erstaunt war man in Amerika, hernach zu entdecken, daß er nicht weniger als sieben Junge gekriegt hatte, die ihm folgten, wie die Küchlein der Gluckhenne.

Andrerseits kann aber nicht geleugnet werden, daß der Zusammenstoß mit dem Kern eines Kometen auch ernste Gefahren in sich bergen kann. Manche Kometen bewegen sich mit solch ungeheurer Geschwindigkeit, daß ein Anprall ihrer festen Masse, wenn sie von irgendwie bedeutender Ausdehnung ist, den getroffenen Planeten in Glut versetzen müßte. Der Komet von 1843 vollzog seine Wendung um die Sonne mit solch fabelhafter Schnelligkeit, daß er binnen weniger Stunden von der einen Seite nach der andern gelangte. Dagegen ist die Geschwindigkeit unsrer Erde mit 30 Kilometern in der Sekunde ein Schneckentempo. Welche Geschwindigkeit erst die Bestandteile seines 320 Millionen Kilometer langen Schweifes an dessen Ende hiebei entwickeln mußten, übersteigt unsre Fassungskraft.“

„Ich meine aber,“ wandte Heinz ein, „man hält neuerdings auch den Kern der Kometen für eine nebelartige, gasförmige Masse ohne Festigkeit.“

„Das ist angesichts der Tatsachen eine ganz unhaltbare Ansicht,“ widersprach Schultze: „Denken Sie doch, daß die Meteore, die auf die Erde fallen, zum Teil Eisenblöcke von ungeheurem Gewichte sind. Und diese Brocken scheinen nicht einmal dem Kern, sondern dem Schweif der Kometen zu entstammen, in dem man oft stark verdichtete Lichtknoten beobachtet.

Allerdings glaubt man, daß die Erde 1872 und 1885 mit den beiden Köpfen des Biela-Kometen zusammenstieß, da der Schweif eine ganz andre Bewegungsrichtung hatte als die damals niedergehenden Sternschnuppen oder Meteorschwärme. Sollte das richtig sein, so ist immerhin zu berücksichtigen, daß es sich hier um einen durch Jupiter zertrümmerten und in Auflösung begriffenen Kometen handelte.