„Subjekt“, „Objekt“, „Prädikat“ – diese Trennungen sind gemacht und werden jetzt wie Schemata übergestülpt über alle anscheinenden Tatsachen. Die falsche Grundbeobachtung ist, daß ich glaube, ich bin's, der etwas tut, etwas leidet, der etwas „hat“, der eine Eigenschaft „hat“.

370.

„Es wird gedacht: folglich gibt es Denkendes“: darauf läuft die Argumentation des Cartesius hinaus. Aber das heißt unsern Glauben an den Substanzbegriff schon als „wahr a priori“ ansetzen: – daß, wenn gedacht wird, es etwas geben muß, „das denkt“, ist einfach eine Formulierung unserer grammatischen Gewöhnung, welche zu einem Tun einen Täter setzt. Kurz, es wird hier bereits ein logisch-metaphysisches Postulat gemacht – und nicht nur konstatiert.... Auf dem Wege des Cartesius kommt man nicht zu etwas absolut Gewissem, sondern nur zu einem Faktum eines sehr starken Glaubens.

Reduziert man den Satz auf „es wird gedacht, folglich gibt es Gedanken“, so hat man eine bloße Tautologie: und gerade das, was in Frage steht, die „Realität des Gedankens“, ist nicht berührt, – nämlich in dieser Form ist die „Scheinbarkeit“ des Gedankens nicht abzuweisen. Was aber Cartesius wollte, ist, daß der Gedanke nicht nur eine scheinbare Realität hat, sondern eine an sich.

371.

Daß zwischen Subjekt und Objekt eine Art adäquater Relation stattfinde; daß das Objekt etwas sei, das von innen gesehen Subjekt wäre, ist eine gutmütige Erfindung, die, wie ich denke, ihre Zeit gehabt hat. Das Maß dessen, was uns überhaupt bewußt wird, ist ja ganz und gar abhängig von der groben Nützlichkeit des Bewußtwerdens: wie erlaubte uns diese Winkelperspektive des Bewußtseins irgendwie über „Subjekt“ und „Objekt“ Aussagen, mit denen die Realität berührt würde! –

372.

Parmenides hat gesagt, „man denkt das nicht, was nicht ist“; – wir sind am andern Ende und sagen, „was gedacht werden kann, muß sicherlich eine Fiktion sein.“

373.