Das Gemeinsame der drei Entstehungsherde: der psychologische Fehlgriff, die physiologischen Verwechslungen.

Die „andre Welt“, wie sie tatsächlich in der Geschichte erscheint, mit welchen Prädikaten abgezeichnet? Mit den Stigmaten des philosophischen, des religiösen, des moralischen Vorurteils.

Die „andre Welt“, wie sie aus diesen Tatsachen erhellt, als ein Synonym des Nichtseins, des Nichtlebens, des Nichtlebenwollens....

Gesamteinsicht: der Instinkt der Lebensmüdigkeit, und nicht der des Lebens, hat die „andre Welt“ geschaffen.

Konsequenz: Philosophie, Religion und Moral sind Symptome der décadence.

382.

Zur Psychologie der Metaphysik. – Diese Welt ist scheinbar: folglich gibt es eine wahre Welt; – diese Welt ist bedingt: folglich gibt es eine unbedingte Welt; – diese Welt ist widerspruchsvoll: folglich gibt es eine widerspruchslose Welt; – diese Welt ist werdend: folglich gibt es eine seiende Welt: – lauter falsche Schlüsse (blindes Vertrauen in die Vernunft: wenn A ist, so muß auch sein Gegensatzbegriff B sein). Zu diesen Schlüssen inspiriert das Leiden: im Grunde sind es Wünsche, es möchte eine solche Welt geben; ebenfalls drückt sich der Haß gegen eine Welt, die leiden macht, darin aus, daß eine andere imaginiert wird, eine wertvollere: das Ressentiment der Metaphysiker gegen das Wirkliche ist hier schöpferisch.

Zweite Reihe von Fragen: wozu Leiden?.... und hier ergibt sich ein Schluß auf das Verhältnis der wahren Welt zu unsrer scheinbaren, wandelbaren, leidenden, widerspruchsvollen: 1. Leiden als Folge des Irrtums: wie ist Irrtum möglich? 2. Leiden als Folge von Schuld: wie ist Schuld möglich? (– lauter Erfahrungen aus der Natursphäre oder der Gesellschaft universaliert und ins „An-sich“ projiziert). Wenn aber die bedingte Welt ursächlich von der unbedingten bedingt ist, so muß die Freiheit zum Irrtum und zur Schuld mit von ihr bedingt sein: und wieder fragt man wozu?.... Die Welt des Scheins, des Werdens, des Widerspruchs, des Leidens ist also gewollt: wozu?

Der Fehler dieser Schlüsse: zwei gegensätzliche Begriffe sind gebildet, – weil dem einen von ihnen eine Realität entspricht, „muß“ auch dem andern eine Realität entsprechen. „Woher sollte man sonst dessen Gegenbegriff haben?“ – Vernunft somit als eine Offenbarungsquelle über An-sich-Seiendes.