2. Der Staat.
479.
Grundsatz: nur Einzelne fühlen sich verantwortlich. Die Vielheiten sind erfunden, um Dinge zu tun, zu denen der Einzelne nicht den Mut hat. Eben deshalb sind alle Gemeinwesen, Gesellschaften hundertmal aufrichtiger und belehrender über das Wesen des Menschen als das Individuum, welches zu schwach ist, um den Mut zu seinen Begierden zu haben....
Der ganze „Altruismus“ ergibt sich als Privatmannklugheit: die Gesellschaften sind nicht „altruistisch“ gegen einander.... Das Gebot der Nächstenliebe ist noch niemals zu einem Gebot der Nachbarliebe erweitert worden. Vielmehr gilt da noch, was bei Manu steht: „Alle uns angrenzenden Reiche, ebenso deren Verbündete, müssen wir als uns feindlich denken. Aus demselben Grunde hinwiederum müssen uns deren Nachbarn als uns freundlich gesinnt gelten.“
Das Studium der Gesellschaft ist deshalb so unschätzbar, weil der Mensch als Gesellschaft viel naiver ist als der Mensch als „Einheit“. Die „Gesellschaft“ hat die Tugend nie anders gesehen, denn als Mittel der Stärke, der Macht, der Ordnung.
Wie einfältig und würdig sagt es Manu: „Aus eigner Kraft würde die Tugend sich schwerlich behaupten können. Im Grunde ist es nur die Furcht vor Strafe, was die Menschen in Schranken hält und jeden im ruhigen Besitz des Seinen läßt.“
480.
Ihr habt alle nicht den Mut, einen Menschen zu töten oder auch nur zu peitschen oder auch nur zu –, aber die ungeheure Maschine von Staat überwältigt den Einzelnen, so daß er die Verantwortlichkeit für das, was er tut, ablehnt (Gehorsam, Eid usw.).
– Alles, was ein Mensch im Dienste des Staates tut, geht wider seine Natur.