5. Ob man klüger werden will oder rücksichtsloser?

6. Ob man ein Ziel erreichen will oder allen Zielen ausweichen (wie es zum Beispiel der Philosoph tut, der in jedem Ziel eine Grenze, einen Winkel, ein Gefängnis, eine Dummheit riecht)?

7. Ob man geachteter werden will oder gefürchteter? Oder verachteter?

8. Ob man Tyrann oder Verführer oder Hirt oder Herdentier werden will?

561.

Die Rechte, die ein Mensch sich nimmt, stehen im Verhältnis zu den Pflichten, die er sich stellt, zu den Aufgaben, denen er sich gewachsen fühlt. Die allermeisten Menschen sind ohne Recht zum Dasein, sondern ein Unglück für die höheren.

562.

Die Lasterhaften und Zügellosen: ihr deprimierender Einfluß auf den Wert der Begierden. Es ist die schauerliche Barbarei der Sitte, welche, im Mittelalter vornehmlich, zu einem wahren „Bund der Tugend“ zwingt – nebst ebenso schauerlichen Übertreibungen über das, was den Wert des Menschen ausmacht. Die kämpfende „Zivilisation“ (Zähmung) braucht alle Art Eisen und Tortur, um sich gegen die Furchtbarkeit und Raubtiernatur aufrechtzuerhalten.

Hier ist eine Verwechslung ganz natürlich, obwohl vom schlimmsten Einfluß: Das, was Menschen der Macht und des Willens von sich verlangen können, gibt ein Maß auch für das, was sie sich zugestehen dürfen. Solche Naturen sind der Gegensatz der Lasterhaften und Zügellosen: obwohl sie unter Umständen Dinge tun, deretwegen ein geringerer Mensch des Lasters und der Unmäßigkeit überführt wäre.