– Kunst, Erkenntnis, Moral sind Mittel: statt die Absicht auf Steigerung des Lebens in ihnen zu erkennen, hat man sie zu einem Gegensatz des Lebens in Bezug gebracht, zu „Gott“, – gleichsam als Offenbarungen einer höheren Welt, die durch diese hier und da hindurchblickt....
„Schön und häßlich“, „wahr und falsch“, „gut und böse“ – diese Scheidungen verraten Daseins- und Steigerungsbedingungen, nicht vom Menschen überhaupt, sondern von irgendwelchen festen und dauerhaften Komplexen, welche ihre Widersacher von sich abtrennen. Der Krieg, der damit geschaffen wird, ist das Wesentliche daran: als Mittel der Absonderung, die die Isolation verstärkt....
120.
Daß man endlich die menschlichen Werte wieder hübsch in die Ecke zurücksetze, in der sie allein ein Recht haben: als Eckensteherwerte. Es sind schon viele Tierarten verschwunden; gesetzt, daß auch der Mensch verschwände, so würde nichts in der Welt fehlen. Man muß Philosoph genug sein, um auch dies Nichts zu bewundern (– Nil admirari –).
121.
Der Mensch, eine kleine, überspannte Tierart, die – glücklicherweise – ihre Zeit hat; das Leben auf der Erde überhaupt ein Augenblick, ein Zwischenfall, eine Ausnahme ohne Folge, etwas, das für den Gesamtcharakter der Erde belanglos bleibt; die Erde selbst, wie jedes Gestirn, ein Hiatus zwischen zwei Nichtsen, ein Ereignis ohne Plan, Vernunft, Wille, Selbstbewußtsein, die schlimmste Art des Notwendigen, die dumme Notwendigkeit.... Gegen diese Betrachtung empört sich etwas in uns; die Schlange Eitelkeit redet uns zu, „das alles muß falsch sein: denn es empört.... Könnte das nicht alles nur Schein sein? Und der Mensch trotzalledem, mit Kant zu reden – –“
122.
Der Sieg eines moralischen Ideals wird durch dieselben „unmoralischen“ Mittel errungen wie jeder Sieg: Gewalt, Lüge, Verleumdung, Ungerechtigkeit.
123.
Wer weiß, wie aller Ruhm entsteht, wird einen Argwohn auch gegen den Ruhm haben, den die Tugend genießt.