Insgleichen der Staat und jede Art Herrschaft in Hinsicht auf Beamte und Soldaten; insgleichen die Wissenschaft, um mit Vertrauen und Sparsamkeit der Kräfte zu arbeiten. – Insgleichen die Priesterschaft.

– Hier wird also die gemeine Moral erzwungen, weil mit ihr ein Vorteil errungen wird; und um sie zum Sieg zu bringen, wird Krieg und Gewalt geübt gegen die Unmoralität – nach welchem „Rechte“? Nach gar keinem Rechte: sondern gemäß dem Selbsterhaltungsinstinkt. Dieselben Klassen bedienen sich der Immoralität, wo sie ihnen nützt.

2. Die moralischen Ideale.

128.
Zur Kritik der Ideale.

Diese so beginnen, daß man das Wort „Ideal“ abschafft: Kritik der Wünschbarkeiten.

129.

Ein Mensch, wie er sein soll: das klingt uns so abgeschmackt wie: „ein Baum, wie er sein soll“.

130.

Ethik: oder „Philosophie der Wünschbarkeit“. – „Es sollte anders sein“, „es soll anders werden“: die Unzufriedenheit wäre also der Keim der Ethik.

Man könnte sich retten, erstens, indem man auswählt, wo man nicht das Gefühl hat: zweitens indem man die Anmaßung und Albernheit begreift: denn verlangen, daß etwas anders ist, als es ist, heißt: verlangen, daß alles anders ist, – es enthält eine verwerfende Kritik des Ganzen. Aber Leben ist selbst ein solches Verlangen!