Da schob einer die gaffende Menge beiseite und pflanzte sich breit, die Mutter hinter sich, vor dem Italiener auf. »Du Schlawake mach dich mal nich so maus'g hier – sonst kannst du vielleicht mal ne richt'ge Abreibung erwischen!« rief er.

Wilhelm war's.

Der aufgeregte Italiener hob blindwütig den Stock, um auch ihn zu schlagen. Der fing den Schlag mit dem vorgestreckten Unterarm auf. Ein Griff mit der andern Hand – ein Ruck – und der Stock war in seinem Besitz. Ihn übers Knie legen und zerbrechen – mit der abgebrochenen Hälfte in die Luftballons schlagen, daß die eingepreßte Luft mit einem Knall entwich; während andre Ballons die Gelegenheit benutzte, um frei und ungefesselt in der Luft zu segeln – das ging alles so rasch, bevor es die Umstehenden richtig gewahr wurden. Sie lachten schadenfroh und gafften den entfliehenden Ballons nach. Der Italiener streifte hastig den Tragriemen seines Kastens ab. Der Papagei hüpfte ängstlich drucksend am Boden. Der Italiener achtete nicht darauf. Ihm war der Haß in den Kopf gezuckt und hatte alle Vernunft verscheucht. Wilhelm hob den Korb der Alten auf, half dem Jungen die verstreuten Pfefferkuchen einsammeln und entfernte sich, die in dem Tumult verlorenen Freunde suchend.

Da erscholl ein vielstimmiger warnender Schrei. Wilhelm sah an seinem Kopf etwas Dunkles auftauchen. Ein Satz zur Seite. Das Messer des Italieners traf an den Kopf. Abgleitend schnitt es ein Stück des rechten Ohrs ab. Einen Atemzug lang standen sie sich gegenüber und prallten dann wie zwei fauchende Lokomotiven aufeinander. Schnell hatte sich ein Kreis um die beiden Kämpfenden geschlossen. Die wälzten sich auf dem Boden. Haßerfülltes Schnauben der zwei ebenbürtigen Gegner. Stampfen – Zähneknirschen und harte Schläge. Wo Wilhelm hinschlug, wuchs so leicht kein Gras mehr. Zuletzt lag der Italiener auf den Knien, hielt sich sein blutendes, zerschlagenes Gesicht und heulte in tierischen Lauten vor ohnmächtiger Wut, daß er seinem Gegner unterlegen, daß er der Besiegte war.

Die Kameraden verbanden Wilhelm den Kopf mit Taschentüchern, und alle zusammen verließen sie den Jahrmarkt. Er mußte alles noch einmal genau und ausführlich erzählen, und es gab ein lebhaftes Durcheinander von Fragen und Antworten, Lachen und Witzen. Es begann zu dunkeln. Von weitem sah man schon die zahllosen Lichter der Stadt. Mit ihren festen Schritten überholten sie umschlungene Pärchen, die gleich ihnen vom Jahrmarkt der Stadt zustrebten, und aus voller Kehle sangen sie das Lied:

»Immer wacker – immer wacker,
mir sein Facker – mir sein Facker.
Ju, ju, ju, huhuhuuu.
Und brennt uns die Sonne in den Nacken,
Mir lassen uns nicht verknacken,
Mir sein Fa–a–cker.«

Aber nun hat Wilhelm ein verstümmeltes Ohr.


Der feine Bernhard.