Sieht man Klavierfritz, der auf dem Bock des Wagens saß, durch den Hof gehen, so meint man, daß es ihm nicht schwer fallen könnte, eins von den Klavieren, die in Holzverschlägen verpackt sind, unter den Arm zu nehmen. Und daß er es womöglich mit genau denselben kleinen Schritten, der ihm eigenen Würde, auf den draußen haltenden Wagen legen könnte.

Alle seiner Zunft sind so kräftige Männer, und an ihrem Auftreten merkt man, daß sie eine Vergangenheit verkörpern.

Klavierfritze bewahrt noch ein altes Bild auf. Darauf sieht man so eine Art Halbkutsche, doch ohne Kutscherbock, Deichsel und Räder. Es ist eine Sänfte, in der man sich zur Zeit der kurzen Hosen und der Schnallenschuhe ins Theater, in die Kirche oder nach Hause tragen ließ. Zwei große starke Männer, in blauem Schoßrock mit gelben Knöpfen, auf dem Kopfe einen schwarzlackierten Zylinderhut, tragen die Sänfte an zwei langen Stangen. Diese stecken außerdem noch in den Ösen eines Lederriemens, der über der Schulter hängt.

Ein solcher Sänftenträger ist der Großvater des Klavierfritz gewesen. Der Enkel, der dieses Bild für so wertvoll hält, daß er es nicht an die Wand seiner Stube hängt, sondern zuunterst in einer eisernen Kassette aufbewahrt, transportiert jetzt Pianos, wie er sagt. Das tut er schon zehn Jahre, bei ein und derselben Firma.

Er geht jetzt durch die kleine Hausflur, wo das Gasflämmchen brennt, die steile Treppe hinauf ins Kontor.

Er führt den Finger an die Mütze und fragt Hans nach einer neuen Bestellung. Hans ist der älteste Lehrling, sitzt in nächster Nähe der Türe und ist ein bleicher, lang aufgeschossener Jüngling. Für Ungerechtigkeiten, Bedrückung, harte Worte, die Hans Klavierfritzen klagt, hat dieser volles Verständnis. Er hat dem Jungen schon manchmal Rückgrat und Festigkeit gegeben, den Unsichern klärenden Rat erteilt. Er pflegt dann seine große Faust auf den vor Hans aufgeschlagenen Folianten zu legen und zu sprechen: »Un wenn du weeßt, daß du im Recht bist, dann sagste, ihr kennt eich uffn Kopp stelln, ich machs ähmt nicht.« Dafür hat Hans für ihn auch eine Zuneigung, die mehr ist als Hochachtung.

Den Zettel mit der genauen Adresse, den er von Hans bekommt, steckt Fritz unter seine Mütze.

Mit seinen beiden Kameraden lädt er im Hofe ein Klavier auf den Wagen, klettert auf den Bock, macht mit der Zunge »ksss, ksss«, und das flinke Pferdchen zieht an.

Grau ist der Himmel, und ein feiner Regen rieselt herab.