Die Ernennung seitens der Gemeinschaft der einzelnen Wohnkreise erfolgt schon seit undenklichen Zeiten nur nach eingehender Prüfung vor allem der menschlichen und seelischen Qualitäten des sich Bewerbenden, der sich die geforderte umfassende wissenschaftliche Vorbildung ganz nach eigener Neigung selber beschaffen muß.
Wer nicht über eine heitere, geduldige Sinnesart und über einen gesunden Humor verfügt, hat von vornherein keinerlei Aussichten. Ebenso wird nicht zugelassen, wer zur Pedanterie, zum leichten Verärgertsein, zu besonderer Ordnungsliebe neigt, oder wer die schlechte Angewohnheit, alle Dinge von der praktischen Seite anzufassen, nicht loswerden kann. Gesundheit, körperliche Frische und Gewandtheit, Lebenssicherheit und eine vollkommene Beherrschung aller Formen sind Voraussetzung. Alles dieses wird bei der Auswahl der sich Bewerbenden erheblich mehr beachtet als die wissenschaftliche Befähigung.
Da aller Unterricht, auch der höchsten Art, kostenlos erteilt wird, so steht es jedem frei, sich auf den vielgesuchten Lehrerberuf vorzubereiten. Wenige jedoch nur erreichen das Ziel. Den anderen ist das vielseitige Studium für ihre Geistesbildung nicht verloren.
Eine solche Lehrerin nun war Irid, und zwar stellte ich später mit Genugtuung fest, daß ihr Ruf weit über den ihres eigenen Wohnkreises hinausging. Zahlreiche andere Wohnkreise schon hatten sich um sie beworben. Sie aber zog es vor, in dem ihrer Geburt zu bleiben und sich mit dem vergleichsweise anspruchslosen Hause zu begnügen, das ihr hier zur Verfügung stand.
Ihre Jugend – sie war erst 23 Jahre alt – wäre nach unsern Begriffen ihrem Ruhm ein Hindernis gewesen. Dort aber bedeutet Jugend, wenn sie mit Tüchtigkeit verbunden ist, ein besonderes Guthaben in der allgemeinen Einschätzung. Jungen Leuten wird in allen Berufen, mit Ausnahme des der Totengräber, der Vorzug gegeben.
In den nächsten Tagen begann ich von Irids Unterricht wohl einiges zu begreifen, aber dies genügte mir, die gesamte gedankliche Grundlage der Bildung jenes Planeten als von der des unserigen grundverschieden zu erkennen, dergestalt, daß ich nur mit der größten Mühe überhaupt folgen konnte, und mich, der ich auf Erden geglaubt hatte, ein über den Durchschnitt hinausgehendes Maß von Intelligenz zu besitzen, schämte, hier hinter den Kindern zurückzustehen.
Ich sprach, um mich und Irid nicht bloßzustellen, im Unterricht kein Wort. Des Nachmittags aber, wenn ich mit dem Mädchen allein war, lehrte sie mich so gut es ging ihre Sprache verstehen.
Den tieferen Grund meiner für diese Welt geringen Begriffsgabe erfuhr ich erst später, erst nach meiner Bekanntschaft mit Irids Vater, von der ich bald berichten werde. –
Bis zum Beginn dieser Bekanntschaft zogen die Tage in gleichmäßiger Einförmigkeit hin. Ich sah außer Irid, der Dienerin, die Okk hieß, den Kindern und dem Hunde Turu niemanden, wohnte des Vormittags dem Schulunterrichte bei, erhielt des Nachmittags in wunderschönen Stunden Sprachunterricht, und verbrachte stumme, fragende und nicht immer glückliche Abende mit dem schönen Mädchen, zu dem mich ein immer stärker aufkommendes Liebesgefühl mit Leidenschaft hinzog.
Irids seelische Kraft und Sicherheit aber setzte eine unübersteigbare Mauer zwischen mich und ihre letzte Gunst.