Jene Menschen denken und sprechen – soweit letzteres überhaupt geübt wird – nicht mehr in der alle Denkarbeit retardierenden Wortsprache unserer Erde, sondern in synthetischen Einzelbildern, gewissermaßen in gedanklich wunderbar tiefen und reichen Differenzialen oder Integralen.

Diese Einstellung gibt die Möglichkeit, den bunt durcheinander kollernden, sich überstürzenden Gedankenreichtum des Gehirns sofort zu greifen und in handlichen Formen festzuhalten, während bei der schwerfälligen, und dabei doch dünnen Wortsprache unserer Erde auch den größten Meistern der Rede eine Fülle der blitzartig kommenden und gehenden Gedanken unausgedacht, ungenutzt und kaum selbst geahnt im Äther verpufft. „Denken“ ist für uns irdische Menschen ja nur ein Name. Hinter das wahre Wesen sind wir noch nicht gekommen.

Inwieweit durch die hohe Entwicklung dieser Sprache auch deren schriftliche Fixierung eine ganz besondere Gestaltung erfahren hat, darüber will ich später einiges sagen, jetzt aber in Kürze – vorausgreifend – andeuten, daß auch die Logik jener Welt von der unsern erheblich verschieden ist: Das Kausalitätsgesetz besteht dort nur noch in der Geschichte der Philosophie: Man hat sich längst abgewöhnt, jede Zustandsänderung als Wirkung mit einer Ursache zu verknüpfen. Man nimmt die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit.

So hörte ich einmal Irids Vater einen Begriffskomplex äußern, der etwa bedeutete: „Es werden so viele Menschen geboren, die nie den Leib der Mutter sehen, und gerade diese halte ich für die wertvollsten. Ich glaube nämlich, daß durch den brutalen Akt der Zeugung und die sich daran anschließende höchst langsame Fleischwerdung das Beste im Menschen vernichtet wird.“

Ich erfuhr, daß man die Geburt des Menschen schon von dem Augenblicke an rechnet, in dem das Weib den Wunsch der Befruchtung durch einen bestimmten Mann verspürt, und der Befruchtungswille dieses Mannes sich gleichzeitig mit dem des Weibes kreuzt.

Der Trieb zur Befruchtung gilt also nicht als die Ursache der Entstehung eines Menschen, sondern ist schon der Mensch selber in seinem Beginne. –

Irids Vater empfing uns in seinem geräumigen, bequemen Hause mit einem reichlichen Mahle, dem aber auch leider, wie an Irids Tische, jegliche Fleischspeise fehlte.

Als ich hierüber einmal zu Irid eine Bemerkung gemacht hatte, war sie tief entsetzt und fast beleidigt gewesen. Ihr Vater erklärte mir später, daß man schon seit vielen Jahrtausenden kein Fleisch von toten Tieren äße. Diese fürchterliche Unsitte der Urmenschen sei, nachdem das Verzehren von Menschenfleisch schon früher sein Ende gefunden habe, längst erloschen, und nur mit Abscheu berichte die Menschheitsgeschichte von solchen Exzessen barbarischer Wildheit.

Der Vater, Worde mit Namen, war gleichfalls Kinderlehrer gewesen. Er hatte dann aber vor einigen Jahren sein Amt an Irid abgegeben, als diese die Qualifikation dazu erlangt hatte, und lebte nun ganz seinen privaten Studien.

Später erfuhr ich, daß er einen weittönenden Namen als Historiker führe, und stellte fest, daß er seine umfangreichen historischen Arbeiten auf soziologischer Grundlage aufbaue und auf für unsere Begriffe unergründliche tiefe naturwissenschaftliche und vor allem aber psychologische Kenntnisse stütze.