Aber die Geschichte lehrt, daß all dies den heutigen Menschen unbegreifliche Getriebe jener versunkenen Fabelwelt kein Glück gebracht hat.

Inmitten ihrer grandiosen Erfindungen bekämpfte sich die Menschheit untereinander in unerhört gewaltigen Kriegen, von deren mörderischer Furchtbarkeit man sich heute keine Vorstellung mehr machen kann, und schlug sich in grauenhafter Bestialität gegenseitig zu Millionen und aber Millionen nieder.

Trotz dieser Abschlachtungen aber blieb die Drom-Oberfläche von unruhevollen, geschwätzigen und hastig arbeitenden Menschen derartig angefüllt, daß sie sich wie der Umkreis eines Ameisenhaufens ausgenommen haben mag.

Man sollte auch meinen, daß wenigstens die in der damaligen Urzeit höchst mangelhafte Kenntnis des menschlichen Körpers, die es nicht erlaubte, mit den Krankheiten fertig zu werden, die Menschheit verkleinert habe. Dem aber war nicht so: zwar raffte die Krankheit gleich dem Kriege unzählige Millionen dahin, aber wie Hydraköpfe wuchs die wuchernde Menschheit nach.

Der unerhörten Überschätzung verstandesgemäßen, technischen Könnens jener wilden Zeit entsprach eine unwirkliche, phantastische und barbarische Ethik:

Der große Irrtum der Menschen jener Drom-Epoche, der viele Jahrtausende angehalten hat, daß nämlich sich im Körper die Seele als besonderes Lebewesen, als eine Art Einwohner, aufhalten solle, führte dazu, dieser Seele übersinnliche Eigenschaften beizulegen, und ihr aus Gründen mangelnden Naturerkennens die Fiktionen von Gottheiten der verschiedensten Art vorzusetzen, vom einzigen Gotte bis zu einem ganzen Götter- oder Heiligenhimmel, oft auf das tiefsinnigste und gehaltreichste ausgedacht und mit unendlicher Liebe mystisch verklärt, um welche Gottheiten sich die Drom-Menschen dann dauernd bis aufs Blut uneinig waren.

Durch das ungeistige Wesen, das sie in ihrer Verblendung um die Gottheiten herum inszenierten, schufen sie den Begriff von Gut und Böse, und trieben durch Lehre und Beispiel sich selber gegenseitig immer von neuem unwiderstehlich zum Schlechten.

Zwar gab es auch schon in jenen Urzeiten Menschen, die den Mut besaßen, diese Gottheiten als Erzeugnisse der menschlichen Phantasie zu erkennen, als Produkte des menschlichen Bedürfnisses nach Anlehnung, Unterordnung, Unfreiheit, nach übersinnlicher Mystik oder doch als die gedachte transzendente Verlängerung einer zu kurzen sinnlichen Erkenntnis, als die bequeme Erklärung scheinbar rätselhafter Vorgänge. Aber diese wenigen Menschen wurden einerseits mit Haß und Abscheu oder wenigstens mit Geringschätzung behandelt, anderseits taten sie sich auf ihre Erkenntnis etwas Besonderes zugute, legten sich wissenschaftlich klingende Namen bei und machten ein aufdringlich großes Wesen von sich.

Daß in solch’ barbarischem Getriebe die Kunst unbeirrt die herrlichsten und köstlichsten Blüten trieb, erscheint uns heute auf den ersten Blick unverständlich, erklärt sich aber aus der blutwarmen, unverbrauchten, gärenden Jugend des damaligen Menschengeschlechtes, als dessen reinste Kräfte die Künste aus dem Grunde des brodelnden Kessels gleich Gasblasen durch alles siedende Aufwallen hindurch unverletzt zur Oberfläche aufstiegen.

Auch die Wissenschaft, soweit sie sich nicht zur Sklavin der Technik machte, stand bereits inmitten vergleichsweise hoher Erkenntnisse. Von dem Lebenswichtigsten allerdings, vom Menschen, wußte sie wenig.