Am verbreitetsten war gegen das Ende jener unseligen Zeit die sogenannte Republik, in welcher Einrichtung stets eine (meist nur geringe) Mehrheit der Minderheit die Gesetze vorschrieb, und in der es zuzugehen pflegte, wie auf einer jener schnell rotierenden Drehscheiben, wie man sie früher zur Volksbelustigung auf den Jahrmärkten vorführte. Auf ihnen hält sich immer, um nicht abgeschleudert zu werden, einer am andern fest. Nur einigen wenigen aber gelingt es, in der Mitte der Scheibe so lange festzusitzen, bis sie der Zug eines anderen, gleichfalls zur Mitte Strebenden aus dem Gleichgewicht bringt und der tangentialen Wirkung der Rotationskraft aussetzt.

Diese sogenannten Republiken gab es in allen Formaten und Spielarten. Stets aber mußte ein erheblicher Teil der Menschheit dem Willen des andern Teils untertan sein, obwohl das Wort „Untertan“ als in hohem Maße beleidigend galt.

Auch Republiken mit schön drapierten Herrschern waren darunter. Diese letzteren band man in der Mitte der Drehscheiben an für sie eingeschraubten goldenen Ringen bewegungslos fest.

Zeitweilig hatte sich auch eine ganz besondere Organisationsform aufgetan, die leugnete eine Republik zu sein und von sich behauptete, die Lösung der großen Menschheitsfrage bringen zu können.

In der Theorie war sie, das muß man ihr noch heute, nach langen Jahrtausenden, zugestehen, schon vergleichsweise recht unbarbarisch ausgedacht. Keiner sollte darin mehr bedeuten, mehr besitzen und mehr Gewalt haben als der andere. Alle die trennenden und aufregenden Schichtungen, sowohl die wagerechten in Besitzende und Besitzlose, wie die senkrechten in Nationen, sollten damals schon, wie es heute ist, aufgehoben werden.

Aber es blieb bei der Theorie, denn die Voraussetzung für ihre praktische Durchführung, die Vergeistigung der Menschheit, war in jenem Menschheitszustande der Barbarei noch nicht erfüllt.

Die Versuche zur Errichtung solcher Gemeinschaften waren begreiflicherweise dazu verurteilt, am Materiellen kleben zu bleiben, und erreichten nur, daß das Individuum sich wie in einem gewaltigen, alles nivellierenden Schafstalle vorkam, in dem keiner sich wohl fühlte, jeder unfreier war als zuvor, und daß sich neben und vor die reinen und gutgläubigen Gründer und Führer Unberufene, Eitle, Macht- und Blutdürstige drängten, die der Menschheit das Leben zur Hölle machten. Die Hauptsache aber, der oberhalb des geknebelten Individuums thronende „Staat“, ohne den die ungeistige Menschheit jener Barbarenzeit eben nicht bestehen konnte, blieb, wie sehr die Schöpfer der Organisation dies auch bestritten, unter anderem Namen nach wie vor am Leben.

Am wohlsten scheint sich nach den erhaltenen Inschriften und schriftlichen Überlieferungen die Menschheit noch in jenen seltenen Ausnahmefällen befunden zu haben, wo ein durch ungewöhnliche Gaben vor seinen Mitmenschen ausgezeichneter Einzelner, getragen von dem Vertrauen aller, diktatorisch an der Spitze der Organisation stand.

Aber auch die geringe Zahl dieser Einzelnen, von denen die Geschichte weiß, Führer im Geiste, blutgeborene Könige aus den Geschlechtern der Urzeit, oder geistesgeborene Söhne des Volkes, hatten unter dem Barbarismus und dem niedrigen Kulturniveau ihrer Umwelt schwer zu leiden.

Im ganzen betrachtet, bedeutete jede Änderung der Organisationsform, so hoch auch sie von ihren Anhängern als die endliche Erfüllung der ersehnten Freiheit gepriesen wurde und welcher Art sie auch gewesen sein mochte, nichts als günstigenfalls einen Gewinn für die Gesellschaft auf Kosten des Individuums.