Im vergangenen Frühsommer, nach der Schlaflosigkeit erotisch-heißer Stunden, war sie in der schwindenden Nacht hinuntergeschritten zum See. Dort hatte sie sich niedergesetzt, und ihr Blick war zu den Sternen hinaufgegangen und fand in jener Spirale feinen Nebels die andere Welt.

In der heißen Phantasie der glühenden, liebesehnenden Erregung sah sie dort einen andern Planeten mit Männern von ungebändigt junger Kraft, Männern von Blut und Feuer, laut, lärmend, fordernd, gebietend, Männern, die statt schweigenden Mitfühlens die Geißel schwangen über dem sich widersetzenden Weibe.

Eine erotische Ekstase sei über sie gekommen. Sie habe einen bestimmten Mann gesehen, nackt, barbarisch, sie begehrend. Alle ihre Kraft, all ihr Denken und Wollen und all ihr sinnliches Fühlen habe sich in wonnevoller Konzentration auf ihn gerichtet.

In diesem paroxystischen Zustande habe sie lange Zeit verharrt. Er habe auch angehalten, als das Licht der Sterne verlosch; und wie sie fühlte, daß die Sonne sich erhob hinter ihr, habe sie gewußt, daß jetzt der Mann kommen müsse.

Mit ausgebreiteten Armen, einer Trunkenen gleich, sei sie dem See zugeschritten, und als der Mann dem Wasser entstieg, nackt, wie ihre innere Glut ihn gesehen hatte, wäre die Kraft in ihr zusammengebrochen, und fassungslos, zum ersten Male in ihrem Leben, sei sie in die Knie gesunken.

Nie bisher hatte sie über den Tag meiner Ankunft gesprochen. Stets war sie abgebogen, wenn etwa einmal die Rede darauf kommen wollte in unsern knappen Gesprächen. Jetzt flossen ihre Worte mir zu, gleich einem lange eingedämmten Strome.

Sie habe mich geliebt, schon ehe sie mich sah. Ihr Wunsch, ihr eigener Wille hätte mich ihr zugetragen. Ihre erotische Kraft habe mich geboren. Ich sei ihr Geschöpf. Aber gerade dieses Bewußtsein wieder habe sich wie ein kalter Ring um ihre Leidenschaft gelegt.

Dann, als sie sah, daß mir alle die selbstverständlichen Eigenschaften mangelten, die in ihren Augen den Menschen vom höheren Tiere schieden, als sie sah, daß ich schwatzhaft war und spielerisch gleich den Kindern, eitel und ohne Selbstzucht gleich den Tieren, daß ich Torheiten sprach und töricht handelte, ohne es zu bemerken, daß sie die stärksten Gedanken haben konnte vor mir, ohne daß ich eine Spur davon empfand, vor allem aber als sie sah, wie ich wie ein Haustier um sie war, abhängig von ihren Gedanken und ohne Freiheit vor ihr und vor mir selbst, als sie alles dieses sah und fühlte, sei der Zweifel in ihr aufgestiegen an mir, an der köstlichen Vision jenes Morgens und an ihr selbst.

Wohl glaube sie mich zu lieben. Wohl zögen sie ihre Sinne zu mir – nie habe sie mir das verborgen – aber nicht vermöchte sie es sich mit mir zu vereinigen.

Erschöpft und mit Tränen in den Augen erhob sie sich, wehrte meinen Worten und wehrte mir, ihr zu folgen.