Sie nannte selten meinen Namen, dessen Aussprache ihr fremd war. Ich aber hörte kein Wort lieber von ihr.

Und nun begann sie zu sprechen. Lebhafter, wortreicher als sonst floß ihre Sprache, und der Ton klang anders denn bisher.

Anders auch war ihre Haltung. Es deuchte mich, als sähe sie zu mir empor, und in ihren Worten war Respekt, ja etwas wie eine ferne Furcht.

Sie begann von der Zeit zu erzählen, da ich noch nicht bei ihr gewesen war.

Sie sei von Männern viel besucht worden. Da ihr ja nichts verborgen blieb, so habe sie auch gewußt, daß alle diese Männer sie begehrten.

Oft habe sie eine heiße Lust gehabt, dem Begehren, zumal des einen, nachzugeben. Es sei ihr unendlich schwer geworden zu widerstehen. Und doch habe sie die Kraft aufgebracht, ihrem Vorsatze, sich erst mit dem Manne zu vereinigen, der der Vater ihres einzigen Kindes werden solle, treu zu bleiben.

Es hatte ihr aber keiner genügen können.

Alle seien sie weise, ruhig, schweigsam, von letzter Selbstzucht gewesen, gleich jeglichen Menschen ihrer Welt und gleich ihr selbst. Sie wußte, sie hätte mit jedem von ihnen einen schönen, harmonischen und ruhigen Menschen gezeugt.

Ein starkes inneres Gefühl, wohl atavistischer Herkunft, jedoch drängte sie zu anderem. Das Bewußtsein von der alternden Menschheit war in ihr, und ein heftiges Sehnen nach Jugend stieg in ihr auf.

Sie konnte sich keine Rechenschaft darüber abgeben, welch’ einer Jugend dies Sehnen galt, denn die Männer, die schweigend um sie warben, waren jung, stark und schön, aber im Gefühl war es vorhanden, und so schritt sie ihre Pfade mit sehnenden Sinnen und suchte den Mann der Jugend, dem allein sie ihre reiche Liebe schenken wollte.