Worde hob lächelnd sein Glas. Irid aber sah mir in die Augen, und ich wußte, daß sie mein sein würde.
Arm in Arm, wie immer, waren Irid und ich durch die weiße Nacht nach Hause gegangen.
Zum ersten Male seit ich bei ihr lebte, begann das Gefühl jener Inferiorität, das bisher wie eine Mauer zwischen meiner und ihrer Seele gestanden hatte, zu weichen.
Die Gedanken des Alten hatten mir einen Teil meines Selbstgefühls wiedergegeben. Es stieg in mir auf, daß ich die psychische Überlegenheit Irids, die sie ja nur der Erbschaft ihrer langen Ahnenreihe verdankte, zu hoch eingeschätzt habe, und ich ward mir wieder eines bewußt, das mich früher nie verlassen hatte: meiner Mannheit.
Irids Gedanken schienen einen ähnlichen Pfad zu wandeln. Mir war, als schritte nicht mehr die Herrin neben mir, die meinen Arm nur als Stütze brauchte und mich als ungefährliches Spielzeug, vielmehr hing ein junges Weib schwer an mir: Sie ließ sich führen statt mich zu leiten.
Als wir in unserm Hause anlangten, fanden wir die Halle noch warm. Ich warf einige Scheite in die verglimmende Glut, und Irid blies sie an. Es war keine Verabredung, daß wir, unserer Gewohnheit entgegen, nach der Rückkehr vom Hause des Vaters noch nicht unsere Schlafzimmer aufsuchten.
Wir entledigten uns unserer Oberkleider und setzten uns nebeneinander nieder.
Meine tastende Hand fühlte, wie das Herz des Mädchens laut schlug. Meine Finger umspannten die tief atmende junge Brust und mein Mund suchte den ihren.
Zum ersten Male wich sie mir aus, nahm meine Hände in die ihren und sagte: „Höre, Markus!“