Vasen Ott erfuhr von Worde, da es ja zwischen jenen Menschen keine Geheimnisse gibt, daß Irid von dem Wilden ein Kind erwarte.

Weit davon entfernt, Irid, deren vollkommenste Freiheit ihm ebenso heilig war, wie die jedes anderen seiner Mitmenschen, dieserhalb zu zürnen, erschrak er doch heftig und beschloß, um ihr Schicksal, zumal in seelischer Hinsicht, besorgt, sie aufzusuchen.

Eines Nachmittags trat er bei uns ein. Irid empfing ihn mit freundlicher Begrüßung und stellte mich als ihren Gefährten vor.

Vasen Ott, der schon wußte, daß man sich mit mir lediglich in der Kindersprache verständigen könne, fragte Irid vorsichtig, ob es möglich sei, den Wilden jetzt zu entfernen. Er wolle mit ihr allein sprechen.

Irid wurde rot, aber bat mich, der ich ihre kurze Unterhaltung nur halb verstanden hatte, sie mit dem Gaste allein zu lassen. Dabei küßte sie mich. Ich ging hinaus.

Nach einiger Zeit sah ich von einem Fenster aus den schönen Mann davongehen und zwar bewegte er sich mit in diesem Lande des gemessenen Benehmens ungewöhnlich hastigen Schritten. In der Gartenpforte drehte er sich noch einmal nach dem Hause um, und in seinen vorher so stillen Rehaugen war ein ungewöhnliches Leben.

Da hörte ich schon Irids Schritte draußen. Ich eilte ihr entgegen, und zu meinem ernsten Erstaunen warf sie sich, wie ein Kind weinend und schluchzend, an meine Schulter.

Ohne daß sie ein Wort sagte, wußte ich, der Mann habe sie beleidigt. Meine schnelle Frage bestätigte es mir.

Ein ganz irdischer, höchst ungeistiger Zorn stieg in mir auf. Daß der unverschämte Kerl die Entfernung des „Wilden“ verlangt hatte, war schon, nicht so sehr meinetwegen als Irids halber, die ihn als ihren Gefährten vorgestellt hatte, ein starkes Stück gewesen. Es hatte mich schon einige Mühe gekostet, davon Abstand zu nehmen, den feinen jungen Herren kurzerhand vor die Tür zu befördern.

Jetzt aber kochte es in mir einigermaßen über. Ich stürzte, die erschrockene Irid verlassend, hinauf, ergriff in der Tür meinen dort hängenden derben Wanderstock, rief meinen Freund Turu, den Hund, und dann liefen wir beide den Weg entlang, auf dem dieser traumäugige Heilige davongegangen war.