Aber er verstand zum ersten Male seine Tochter nicht mehr, und da diese jetzt in einer andern Welt lebte, so verstärkte sich das Mißverstehen von Tag zu Tag.

Unsere Besuche beim alten Worde wurden seltener, und auch er entschloß sich nicht mehr so leicht als früher in unser Haus zu kommen.

Und noch ein Anderes ereignete sich: Vasen Ott stellte sich wieder ein.

Vasen Ott, von dem ich, da auch ich ihn bisher nur aus den Erzählungen meiner Freunde kannte, noch nicht berichtet habe, war eine Erscheinung aus Irids Leben vor meiner Zeit. Ein großer Mensch von schlanker Gestalt und mit tiefdunkeln, träumerischen Augen.

Er hatte gleichfalls den Ehrgeiz gehabt, Kinderlehrer zu werden, konnte aber die Qualifikation dazu nicht erwerben, und war in die Laufbahn der Beamteten des Wohnkreises übergetreten, zu welcher Tätigkeit seine Eigenschaften ausreichten. Seit einiger Zeit stand er an der Spitze der Beamteten und galt als umsichtiger und zuverlässiger Verwalter der allgemeinen und öffentlichen Angelegenheiten.

Er kannte Irid von Jahren gemeinsamen Studiums her und liebte sie seit langem. In der Zahl der Männer, die um sie geworden hatten, war er derjenige gewesen, der ihre Sympathien am meisten besaß. Mehrere Male glaubte sie dicht davor gewesen zu sein, seinem stillen, wortlosen Verlangen nachzugeben. Aber immer hatten sie jene Gedanken, von denen ich jetzt wußte, abgehalten, ihm ihre Liebe zuzuwenden.

Vasen Ott zog sich schließlich enttäuscht von ihr zurück, und eine andere Frau wurde dann später die Seine. Die beiderseitige Liebe hatte aber nicht länger als zwei Jahre vorgehalten und, jetzt, da er wieder allein lebte, wandte sich sein Begehren abermals Irid zu.

Er begann mit Besuchen bei Worde, der, als einer der Ältesten des Wohnkreises, ohnehin in öffentlichen Geschäften mit ihm, als dem ersten Angestellten, manches zu tun hatte.

Von Worde erst erfuhr Vasen Ott über das merkwürdige Auftreten des vom Himmel gefallenen Wilden in Irids Hause.

Da die Barbaren-Erfindung der Zeitungen seit undenklichen Zeiten nicht mehr bestand, und man sich auch sonst grundsätzlich niemals unaufgefordert um die Angelegenheiten seiner Mitmenschen kümmerte, so war es, was nach irdischen Begriffen unwahrscheinlich erscheinen müßte, durchaus möglich, daß ich jahrelang hätte bei Irid wohnen können, ohne daß Leute, die mich nicht persönlich kennenlernten, überhaupt etwas von mir erfuhren. Irgendeine Registrierung der Einwohner, anders als lediglich nach der Kopfzahl, stand den Angestellten der Wohnkreise nicht zu.