Die Musik aber lebte über Raum und Zeit!
In ihren edelsten Formen schon von jeher frei von der Materie, schwebte sie körperlos und ohne Beziehung zu Körpern durch den Raum als der Schöpfung erster, letzter und reinster Ausdruck.
Musik war, als der Urmensch im Dreitakt an den hohlen Baum schlug, als das Krescendo des Trommelwirbels der Wilden an den Nerven riß, Musik war, als die Trompeten der Barbaren schmetterten auf den Schlachtfeldern, als die Pauken und Posaunen dröhnten über dem lodernden Katafalk des Helden. Musik war, als die armen kleinen Kantoren auf den wurmstichigen Orgelbänken ihren Gott lobten in vierstimmigen Sätzen von solch’ himmlischer Seligkeit, daß der Gott klein ward vor der Größe der bescheidenen Musikanten.
Der erste Strahl des Lichtes, das die Welt durchfloß, war Rhythmus seiner Wellen. Harmonie ist der Donnergang des Kosmos. Rhythmus und Harmonie sind die Musik der Welten. Musik war im Anbeginn und Musik wird sein von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Je mehr Irid in mir aufging, je mehr sich ihre Seele in die meine verkroch und ihr Leib von dem meinen lebte, um so mehr schloß sie sich von der Außenwelt ab. Sogar ihre Dienerin Okk wollte sie entlassen, und nahm nur auf mein nachdrückliches Abraten davon Abstand.
Dabei wurden ihr Körper, ihr Antlitz, der Ausdruck ihrer Augen immer herrlicher und lockender.
Seit sie Muttergefühle zu verspüren glaubte, schien sie neu zur Welt gekommen. Ihre Stimme, die wie Silber geklungen hatte, war die einer geheimnisvoll läutenden Glocke geworden. Ihre Schritte, jede ihrer Bewegungen waren Verheißungen, und ein Duft von sinnlichem, blühendem, schwellendem Leben ging aus von ihrem weißen Körper. Ich atmete Seligkeiten.
Unsere Wünsche kannten keine Steigerung mehr. –
Nicht daß ihr Vater sie wegen ihrer Sinnesänderung getadelt hätte. Dazu war der Begriff der persönlichen Freiheit zu tief eingewurzelt in jener Welt.