Ich will nun keineswegs bestreiten, daß die Kunst der Drom in ihrer Naturbefreiung nicht auch Bedeutendes und Großes geleistet habe. Ich sah, um nur eines zu erwähnen, auf öffentlichen Plätzen gigantische, buntfarbige Glasflüsse, hochragend gleich Kathedralen, deren Eindruck zu dem Gewaltigsten gehört, das man sich zu denken vermag. Man setzte sie, um Taten des Geistes, die der Menschheit Dienste geleistet hatten, zu ehren.

Aber doch hat die Scheu, sich wieder dem Vorbilde der Natur zu nähern, im Laufe der letzten Zeitepoche geradezu zu einem Sterben der Kunst geführt.

Die Malerei, nicht mehr imstande Landschaften, Bildnisse oder andere gegenständliche Dinge der Erfahrungswelt zu gestalten, erschöpfte sich in immer neuen abstrakten Farben- und Linienkompositionen von derartig vergeistigtem Wesen, daß zuletzt eine glatte Fläche von einfarbigem Blau, Rot, Gelb, Grün oder Weiß dem ermüdeten Auge eine Wohltat dünkte.

Als dann gar die Erkenntnis aufkam, daß der Regenbogen der Atmosphäre an abstrakter Farbengebung jegliches Menschenwerk weit hinter sich läßt, war das Ende der Tafelmalerei erreicht.

Der Maler kehrte zurück zur Urform seiner Kunst: Er bestrich die Häuser und die Geräte mit schönen Farben, und versah sie, in abgeklärtem Geschmacke, mit knappen, einprägsamen Zieraten.

Dem Plastiker, dem sein Schönstes, das Spiel mit dem Menschen- und Tierleibe, genommen war, fand keinen vollen Ersatz im Errichten abstrakter, phantastischer Formengebilde oder im Erfinden schöner, edler Proportionen. Auch seine Kunst senkte sich dem Abend zu.

Die Genügsamkeit, die weise Selbstbeschränkung und die dünne Verbreitung der alternden Menschheit nahm auch dem Architekten die jugendliche Freude am Werke seines Geistes. Allerdings gehörten die kleinen Häuser und die einfachen Gebäude der Manufakturen, an denen fast ausschließlich er seine Kunst betätigen konnte, in dem rhythmischen Gleichmaß ihrer Verhältnisse zu dem Wohltuendsten, das ich je gesehen habe.

Am meisten hatte an ursprünglicher Frische und Gestaltungskraft die Dichtkunst eingebüßt.

Die Formung des nur Geistigen widerstrebt der Dichtkunst. Die Abneigung gegen die Gestaltung der menschlichen Beziehungen hatte zu einer nur aphoristisch-philosophischen Dichtart geführt, die zwar tiefer und letzter Weisheit voll war, aber dennoch nicht einmal den Anspruch des Erstmaligen erheben konnte, denn schon aus den Uranfängen der überlieferten Literatur sind philosophische Dichtwerke höchster und letzter Potenz auf uns gekommen, die niemals überboten werden konnten.

Die Schauspielkunst, die all’ ihr Lebensblut aus der Menschengestaltung sog, war schon längst nicht mehr. Schon die Vergeistigung der Materie, des Körperlichen, hatte ihr schweres, unheilbares Siechtum gebracht. Als aber gar die Lüge und die Verstellung aus der Welt schieden, deren edle und schöne Seite sie ihr Leben lang den sonst nur gemein und bösartig betrogenen Menschen gezeigt hatte, legte auch sie sich aufs Sterbelager.