Aber so sehr mir auch die Beschäftigung mit dieser Schrift Freude bereitete, und je mehr ich darin fortschritt, Irids Interesse neigte sich immer mehr und mehr dem Primitiven zu.

Der innere seelische Grund hierzu lag natürlich letzten Endes in ihrer Liebe zu mir, die alles, was mit mir zusammenhing, in besonders günstigem Lichte erscheinen ließ.

Aber es schien mir doch, als ob auch eine gewisse, schon im Untergrunde, ihr selbst nicht bewußt, vorhanden gewesene Übersättigung durch die Leidenschaft für mich nur geweckt worden wäre.

Ich hatte ähnliche Beobachtungen mehr genereller Art von Rückfall in die Neigung zum Primitiven als Folge der Übersättigung schon auf meiner Erde gemacht.

Eines Umstandes will ich noch Erwähnung tun, der sehr wesentlich dazu beitrug, Irid mir seelisch zu nähern. Das war die Beschäftigung mit der Kunst, für die wir beide eine gleich tiefe Neigung empfanden.

Es hatte sich die merkwürdige Tatsache ergeben, daß in diesen Bezirken menschlicher Geistesbetätigung der Unterschied unserer Betrachtungsarten keineswegs so groß war, als es nach der Differenz unseres Gattungsalters hätte vermutet werden müssen.

Je länger nämlich ich auf der Drom lebte, um so mehr war ich zu der Erkenntnis gelangt, daß die allgemeine Vergeistigung der Kunst nicht zum Gewinn gereicht hatte.

Es schien mir vielmehr unwiderleglich, daß die Menschheitsjugend, der ja auch ich angehörte, mit ihrer ursprünglichen, barbarischen Frische und Naivität der Kunst einen weit fruchtbareren Boden bereitet hatte, als das vergeistigte Alter es vermochte.

Das Wesen der Vergeistigung ist Trennung von der Materie. Für die Kunst bedeutet das Loslösung von der empirischen Natur.