Eugen Diederichs Verlag in Jena
Zeitwende
Schriften zum Aufbau neuer Erziehung
Heft 1. Wilhelm Flitner, Laienbildung br. M 10.–
Mit dieser Schrift des Leiters der Jenaer Volkshochschule ist das Bildungsideal der Zukunft so formuliert, daß es neben dem bisherigen Ideal Humboldts der sich selbst lebenden Persönlichkeit fest dasteht und an Stelle von dessen Scheintotalität die wirkliche menschliche Totalität erobert. Das Humboldtsche Bildungsideal bevorzugte die kontemplative Menschenart vor der tätig praktischen und bewirkte eine einseitige Vorherrschaft des wissenschaftlichen Tuns im geistigen Leben. Der im Leben praktisch tätige Mensch, der Laie, verknüpft dagegen stets Erkenntnis mit Handeln. Wir müssen darum dahin kommen, gegenüber dem Aufbau der Schulbildung von Volksschule bis zur Universität eine Spannung des Bildungsbegriffes durch pädagogische Laiengemeinschaften zu erzeugen. Diese neuartige Gemeinschaftsbildung, die bereits in den Keimen existiert, verdeutlicht der Verfasser auf den Gebieten der Musik, Sprache, Dichtung und bildenden Kunst. Es geht ein stark kultisch-religiöser Zug durch seine Darlegungen.
Rudolf Bode, Der Rhythmus und seine Bedeutung für die körperliche Erziehung. Mit fünf Zeichnungen von Ludwig Eberle. br. M 8.–
Dresdner Anzeiger: Bode geht an den Grundbegriff der Sache heran und regt vor allem an, über den großen Fehler nachzudenken, der allgemein mit dem Begriff Rhythmus verbunden ist, und der sowohl Büchers viel zitiertes Buch »Arbeit und Rhythmus« als auch Dalcrozes Anschauungen beherrscht, die Verwechslung von Rhythmus und Takt (Regel). Man kann Bodes Ausführungen auf die kurze Formel bringen, Rhythmus ist das Unbegrenzte, das ewig Schwingende, Takt das Begrenzte, das sich in der Wiederholung regeln läßt. So spitzt sich die Forderung der rhythmischen Erziehung darauf zu: den Körper fähig zu machen, Ausdrucksorgan der ganz persönlichen inneren Beschwingtheit, des wahren Rhythmus zu werden. Fünf von Ludwig Eberle beigesteuerte Zeichnungen rhythmischer Bewegungstypen ergänzen die Bodeschen Ausführungen wertvoll.
Ottmar Rutz, Menschheitstypen und Kunst. br. M 30.–, geb. M 45.–
München-Augsburger Abendzeitung: Über allen Rassen und Völkern im landläufigen Sinn stehen die »Typen« oder »Urgeschlechter« der Menschheit. Das oberste und letzte gestaltende Prinzip ist der seelische Menschheitstypus: er gestaltet – neben und in Änderung der Gesetze der Materie – den menschlichen Körper, den Typus seiner Nerven- und Bluterregung, seiner Muskeltätigkeit, seiner Atmung, Stimmtätigkeit, Rede und Gesang. Er gibt der gesamten Kultur die typische Richtung, Gestalt und Form. Drei letzte seelische Menschheitstypen sind festgestellt worden. Um Typus und Spielart für den einzelnen Menschen als Persönlichkeit und als Vertreter eines Volkes festzustellen, hat sich eine besondere Untersuchungsmethode entwickelt: sie setzt praktisch in den Stand jene seelischen Eigenschaften zu entwickeln, die den einzelnen Menschen und durch die Masse von Einzelmenschen gleicher Gattung ein Volk beherrschen. Diese »Typenprobe« gibt den Schlüssel zur typischen Persönlichkeit, ohne Voraussetzungen, ohne vorgefaßte Meinung, unbestechlich, an Hand der praktischen Erfahrung, die jeder nachprüfen kann. Das von der Rassenforschung so lange gesuchte Unterscheidungsmaterial für die seelischen Verschiedenheiten oder Ähnlichkeiten der Völker ist damit gegeben.