„Leider nicht, alles verzwickelt.“

„Gut,“ murmelte der Zwinkerer befriedigt, „dann können anderer Menschen Hirnhohlräume nicht mehr vom Erbrest angestopft werden.“ Laut aber sagte er: „Die alte Wäsche von den Kugelzimmern hätte man in den Zwickeln ganz bequem —“

„Gott,“ stammelte der Sterbende, „daß ich daran nicht gedacht — wer denkt auch, wenn er erbt, an seine alte Wäsche!“ Und sein letztes Wort war in Verklärung: „Also doch vollkommen!“

Schmuckel

Der Schmuckel war immer ein heller Kopf gewesen. Schon in der Schule sagte der Herr Lehrer zu den anderen Schülern: „Den Schmuckel seht euch an, so fix wie der im Rechnen sollten alle werden.“ Aber nicht nur im Rechnen war es so. So einen deutschen Aufsatz schmiß er aus dem Handgelenk ins Heft, daß es nur so schnackelte. Von der Geographie gar nicht zu reden, wo die Nebenflüsse links und rechts des Rheins förmlich aufeinander schnalzten. Heißt das, wenn der Schmuckel sie aufsagte. Bei den andern schob sich zwischen der Kinzig und der Murg ein „Äh“ und zwischen der Nahe und der Mosel eine Einsagpause, und zwischen Lahn und Wupper gähnten ganze Reihen ausgelassener Nebenflüsse.

Wenn aber der Inspektor kam, vor dem man doch ein bissel glänzen wollte, wurde der Schmuckel in der Geometrie aufgerufen. So ein Inspektor ist Paraderösser sicherlich gewöhnt. Aber wie der Schmuckel in die Arena ritt, wenn der Lehrer scheinheilig sagte:

„Na, jetzt könnte vielleicht der — der — Schwiefke — nein, der war schon daran — nun, sagen wir mal, der Schmuckel noch sein Paralleltrapez konstruieren, von dem gegeben ist die Mittellinie, die Höhe, ein Winkel im Schnittpunkt der Diagonalen ...“

Der Inspektor müßte nicht der Inspektor gewesen sein, hätte er nicht gewußt, daß diese Paralleltrapezgeschichte die allerverschwefelste Aufgabe im ganzen Dicknether, Ausgewählte Konstruktionen für Mittelschulen war, und — unter uns — ihn wenn der Lehrer jetzt aus Versehen, anstatt des Schmuckels an die Tafel gerufen hätte, er wäre aufgesessen, glatt aufgesessen, statt anderen aufsässig zu sein. Und es brach ihm jetzt wahrhaftig ein gelinder Schweiß aus, wenn er daran dachte: wenn jetzt der Schmuckel stecken blieb, und wenn ein anderer Schüler auch nicht weiter wußte, und wenn der Lehrer auch verdattert würde, und wenn es dann seine verdammte Schulinspektorpflicht sein würde, selbst an das verflixte Paralleltrapez zu treten: „Aber Herr Kollege, ist ja kinderleicht — das macht man so und so und so...“

Unnütze Sorge. Der Schmuckel, der fixe Schmuckel, war schon mitten in der Konstruktion und turnte mit der Kreide und dem Zirkel auf dem Paralleltrapez herum, daß einem ganz schwindlig wurde — Winkel rissen ihre Mäuler auf — Parallele spielten Fangeinmandel, ohne sich zu kriegen — Diagonalen kreuzten sich mit Würde, wie die Bandeliere auf der Brust eines Napoleonssoldaten — Kongruenzen führten Menuette auf, und Mittellinien schmiß er an die Tafel, ohne Rast und ohne Wenn und ohne „Äh“... ja, so einer war der Schmuckel.