„’n verdammt fixer Kerl!“ preßte es dem Inspektor heraus, trotzdem ein Schulinspektor „verdammt“ und „fix“ und „Kerl“ eigentlich nicht sagen durfte, sondern höchstens „bemerkenswert“ und „anstellig“ und „Individuum“.

Nach der Schule hat sich der fixe Schmuckel mit dem Paralleltrapez nicht weiter aufgehalten, sondern hat fix eine Stelle bekommen, hat fix verdient, hat sich fix verheiratet, war der fixeste Häuseragent geworden weit und breit. Es mag ja sein, daß der Schulinspektor damals sich noch einen ganz andern Bauchaufschwung als bis zum Häuseragenten von dem Musterschüler Schmuckel erwartet hatte. Etwa einen Gelehrtenaufschwung, Dichteraufschwung oder so was. Aber derartige Aufschwünge erfordern Wenn und Aber, „Ähs“ und lange Pausen der Überlegsamkeit zwischen hinein. Womit der fixe Schmuckel sich aber wirklich nicht aufhalten konnte, wenn er’s fix zu einem fixen Kerl mit einem fixen Bankkonto bringen wollte.

Und das hatte er nun. Sogar eine fixe Frau zu seiner fixen Häuseragentur. „Das muß man sagen,“ sagten die Leute, „ein patenter Häusermakler ist er, dieser Schmuckel, wahnsinnig patent!“ Denn von dreißig Jahren an sagt man nicht mehr fix, sondern patent. Das gehört sich so, und außerdem ist es patenter. Patent ist übrigens hinter dreißig Jahren jeder Mensch, der etwas auf sich hält. Schmuckel aber war unter den patenten Häusermaklern eben auch wieder derjenige, wo — mit einem Wort, er war wahnsinnig patent. Man hätte auch „furchtbar patent“ oder „rasend patent“ oder „blödsinnig patent“ sagen können. Aber das waren andere Häusermakler auch zur Not. Schmuckel allein war wahnsinnig patent.

„Wenn du irgendeinem Hausmakler ein Haus zu verkaufen gibst,“ hieß es, „was hat der für Bedenklichkeiten und Geschichten. Dagegen der Schmuckel — eins zwei drei, hat’s schon wegverkauft.“

„Ja, und gar wenn du ihn eins kaufen lässest, brauchst du nicht einmal bis drei zu zählen — hat’s schon gekauft für dich, bevor du überhaupt noch selber wußtest, daß du ein Haus gewollt hast — wahnsinnig, einfach blödsinnig wahnsinnig, dieser Schmuckel.“ „Blödsinnig wahnsinnig“ ist der höchste Orden, der für Fixigkeiten zu verteilen ist.

Nun erkennen Frauen sonst die öffentlichen Eigenschaften ihrer Männer selten an. Nicht so Schmuckels Frau, ein stilles, kleines und verträumtes Dingchen. Gegen andere sprach sie sich freilich nicht so aus. Aber wenn sie sich selber fragte, was sie eigentlich von ihrem hin- und hergehetzten fixen Manne habe, so sagte sie sich insgeheim: „Wahnsinnig wenig, blödsinnig wahnsinnig wenig.“

Nun aber begab es sich, daß besagter Schmuckel einen Weinkeller hatte. Einen wahnsinnig patenten Weinkeller. Was schließlich für einen erfolgreichen Häusermakler nicht mehr als recht und billig ist. Vor allem billig. Denn Schmuckel kaufte auch seine Weine einfach rasend wahnsinnig blödsinnig billig ein.

Und weiterhin begab es sich, daß er sich einmal selbst in den Keller begab, um einen solchen rasenden Wein am Spundloch zu probieren — nein, um einen solchen Wein am rasenden Spundloch — nein, es ist zum rasend werden: um einen solchen Wein am Spundloch rasend zu probieren.

Als er den Becher untern Hahn hielt und diesen aufgedreht hatte, fiel ihm ein solider Holzschlegel gegen die linke Schläfe. Pumm, wurde die Stelle seiner vierten Gehirnwindung, wo die patente Fixigkeit zu sitzen pflegt, eine Idee auf die Seite gerückt. Es war selbst mikroskopisch nicht der Rede wert. Aber es genügte dennoch, um Schmuckels Denkapparat nach einer andern Richtung einzuschalten.