Der Wein lief in den Becher, bis er überfloß, während Schmuckel sinnend vor dem Spundloch saß und dachte: „— und wenn ich damals in der Schule nicht so fix gewesen wäre... hm ja, es konnte immerhin doch sein... hm ja, und wenn ich die Konstruktion mit dem Paralleltrapez auch nicht so fix gekonnt hätte... hm ja, und genau genommen, weiß man ja nicht einmal, ob alle diese fixen Lehrsätze auch ganz richtig sind... hm ja, man braucht nur anzunehmen, daß wir keine körperhaften Menschen, sondern — hm ja — zweidimensionale Menschen wären, die auf — hm ja, hm ja — auf Eierschalen lebten... hm ja, so daß der pythagoräische Lehrsatz keinen Sinn hätte... hm ja, dann würde auch das Paralleltrapez ein Blödsinn...“

Unterdessen lief der Wein und lief und stand schon knöcheltief im Keller.

„— hm ja, und wer weiß, ob ich dann ein fixer Häusermakler geworden wäre, der hin und her verkauft und den ganzen Tag nur auf der Hetze ist... hm ja, so daß für mein kleines Frauchen eigentlich nichts übrig bleibt von mir, als ein bißchen Fixigkeit... hm ja, und wenn wir dann auch weniger verdienten... hm ja, ja hm, dafür aber glücklich wären — hm ja, furchtbar glücklich, wahnsinnig glücklich, blödsinnig glücklich... nein, ist ja Unsinn, einfach glücklich, das genügte —“

Hier war es, daß der Wein ihm an die Waden reichte, und daß das Schmuckelsche Dienstmädchen herunterkam, um nachzuschauen, wo ihr Herr solange bliebe: „Aber gnädiger Herr,“ rief sie, „was machen Sie denn da?“

„Ich habe darüber nachgedacht, Kathi wenn ich nicht immer so fix gewesen wäre... hm ja, es hätte doch sein können... hm ja, und wenn wir zweidimensional auf Eierschalen lebten... hm ja, und wenn wir dann auch weniger verdienten... hm ja, und wenn ich dann mit meiner Frau viel glücklicher wäre... hm ja, Sie verstehen, Kathi —?“

Da wurde die Kathi auch besinnlich, setzte sich auf einen Kellerstuhl und sagte langsam: „Hm ja, freilich kann ich Sie verstehn, Herr Schmuckel... hm ja, und wenn Sie dann mit Ihrer Frau so glücklich wären... hm ja, auf zwei sinidale Eierschalen ... hm ja, hm ja...“

Unterdessen lief der Wein und lief, und er stand ihnen schon bis beinahe an die Knie, als die stille, kleine und verträumte Frau Schmuckel auch herunterkam, um nachzusehen, was aus ihrem Mann und der Kathi geworden wäre: „Aber Kinder,“ rief sie, „was macht Ihr denn da?“

„Wir haben darüber nachgedacht, liebe Frau, wenn ich nicht so fix geworden wäre, so wahnsinnig — so fürchterlich wahnsinnig fix, weißt du... hm ja, und wenn wir dann auch weniger verdienten —“

„Hm ja, auf zwei simidale Eierschalen nämlich, gnädige Frau, hm ja“, erläuterte die Kathi.

„Hm ja, und wenn wir dann erst glücklich geworden wären, liebe Frau... hm ja, einfach glücklich, schlecht und recht...“