Fig. 712. Blütenzweig und aufgesprungene Frucht von Gossypium herbaceum. 1⁄2 nat. Gr. — Offizinell. Fig. 713. Tiliaceae, Diagramm (Tilia). Nach A. W. EICHLER. Fig. 714. Tilia ulmifolia. A Blütenstand, nat. Gr. a Infloreszenzstiel, b das Hochblatt. B Frucht, längsdurchschnitten und vergrößert, o Perikarp, p verkümmerte Scheidewände und Samenanlagen, q Samen, r Endosperm, s Keim, t Würzelchen des letzteren. Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell. Fig. 715. Sterculiaceae. Diagramm (Theobroma). Nach A. W. EICHLER. Die 2. Familie, Tiliaceae, enthält Pflanzen mit einfachen Blättern und hinfälligen Nebenblättern. Der freiblättrige Kelch und die Krone haben klappige Knospenlage. Die Staubblätter besitzen introrse Antheren; dem Charakter der Ordnung gemäß ist meist nur der innere Kreis vorhanden und gespalten (Fig. 713 ). Der Griffel ist einfach. Hierher gehören meist tropische Gattungen, darunter die krautigen, Jute liefernden Corchorus -Arten. Einheimisch ist nur Tilia, die Linde, in zwei Arten. Die Blätter sind asymmetrisch und ihr Rand ist gesägt. Die Blütenstände (Fig. 714 A ) sind mit einem als Flugblatt ausgebildeten Vorblatte bis zur halben Länge verwachsen und aus Dichasien zusammengesetzt. Die breitblättrige Linde hat 3–7, die ulmenblättrige dagegen 5–15 Einzelblüten im Blütenstande. Der behaarte Fruchtknoten enthält zwei Samenanlagen in jedem seiner fünf Fächer, eine davon verdrängt alle übrigen (Fig. 714 B ).
Offizinell: Flores Tiliae (Pharm. germ., austr., helv.) von T. platyphyllos und T. ulmifolia.
3. Familie Sterculiaceae. Den Tiliaceen ähnlich weicht diese in den Tropen verbreitete Familie ab durch verwachsenblättrigen Kelch, gedrehte Knospenlage und zu einer Röhre verwachsene Staubblätter, von denen die kelchständigen staminodial bleiben, während die Kronstaubblätter oft durch Spaltung vermehrt werden (Fig. 715 ). Die Antheren sind extrors.
Fig. 716. Theobroma Cacao. 1 Fruchttragender Stamm. 2 Blühender Ast. 3 Einzelblüte. 4 Staubblattring. 5 Staubblatt von vorn. 3, 4 Etwa nat. Gr. 5 Vergr. 1, 2 Stark verkleinert. — Offizinell. Stamm nach einer Photographie.
Theobroma Cacao, der Kakaobaum (Fig. 716 ), ist im tropischen Zentral- und Südamerika einheimisch, dort auch seit langer Zeit in Kultur. Der niedrige Baum trägt kurzgestielte, steife, brüchig-harte, einfache Blätter von erheblicher Größe, ovaler Form und dunkelgrüner Farbe, die in der Jugend mehr hellrötlich sind und wie bei zahlreichen tropischen Bäumen schlaff herabhängen. Die Blüten brechen am Stamme oder an älteren Ästen aus früher blattachselständigen, erhaltenen Knospen hervor; der Baum ist cauliflor. Jedes am Grunde bauchige Kronblatt verschmälert sich nach außen erheblich und endet mit verbreitertem Zipfel. So ist die Gesamtform der rötlichen Blüten etwa urnenförmig, mit fünf auseinander strahlenden Zipfeln. Der fünffächerige Fruchtknoten enthält zahlreiche Samenanlagen in jedem Fache; bei dem Heranwachsen der Frucht drängen sich die erweichenden Gewebemassen der Scheidewände zwischen die einzelnen Samen ein und so wird die reife Frucht einfächerig, vielsamig. Zwei mächtige gefaltete, brüchige Kotyledonen des kleinen Embryos füllen die Samenschale aus. — Cola acuminata und C. vera im tropischen Afrika liefern die Kolanüsse. Offizinell: Oleum Cacao (Pharm. germ., austr., helv.) und Theobromin (Pharm. germ., helv.) von Theobroma Cacao Semen Colae von Cola acuminata und C. vera (Pharm. austr.).
19. Ordnung. Tricoccae[489].
Euphorbiaceae. Gewächse von außergewöhnlich verschiedenartigem Habitus wie Kräuter, Sträucher, blattlose Stammsukkulenten, Bäume mit normalen Blättern oder auch mit Blattschuppen und assimilierenden Phyllokladien, stimmen die Euphorbiaceen darin überein, daß sie eingeschlechtige, radiäre Blüten mit meist einfacher Blütenhülle oder ganz ohne solche besitzen. Das Andröceum ist diplostemon oder vielzählig. Die weiblichen Blüten sind durch einen oberständigen, dreikarpelligen und dreifächerigen Fruchtknoten charakterisiert, der in jedem Fache 1–2 hängende Samenanlagen enthält mit ventraler Raphe, Mikropyle also aufwärts und auswärts gekehrt. Sie wird von einem plazentaren Auswuchs, dem Obturator, gedeckt (Fig. 717 ); dieser vermittelt Leitung und Ernährung der Pollenschläuche und schwindet nach der Befruchtung (vgl.S. 495 ). Die von dem äußeren Integument ausgebildete Caruncula (Fig. 719 D ) bleibt dagegen an dem reifen Samen noch vorhanden, dessen Ablösung von der Plazenta ihrer Mitwirkung zu danken ist. Früchte sind Kapseln, deren Außenwände elastisch von einer Mittelsäule zurückschnellen und so die Fächer öffnen. Die Familie ist über die ganze Erde verbreitet.
Fig. 717. Obturator an der Samenanlage von Euphorbia dioica. Nach PAX in ENGLER-PRANTL. Fig. 718. Mercurialis annua. 1⁄2 nat. Gr. Männliche blühende Pflanze und Einzelblüte. Stück einer weiblichen Pflanze, Einzelblüten und Frucht. — Giftig. Wichtige Gattungen: Zahlreiche Euphorbiaceen zeigen bei diözischer oder monözischer Blütenverteilung einen sehr einfachen Blütenbau, so Mercurialis (Fig. 718 ), durch zweikarpelligen Fruchtknoten abweichend; die Gattung Croton, männliche Blüten mit doppeltem, weibliche mit einfachem Perianth, enthält die wichtigen offizinellen Arten: C. Eluteria und C. Tiglium. Dagegen ist die in vielen einheimischen Arten vertretene Gattung Euphorbia, Wolfsmilch, neben anderen ausgezeichnet durch Vereinigung zahlreicher, einfachst gebauter Blüten in sehr komplizierten Blütenständen, Cyathium genannt (Fig. 719,720,721 ), die besonders in zygomorpher Ausbildung wie bei Pedilanthus, ganz den Eindruck einer Einzelblüte machen. Das Cyathium besteht aus einer nackten, langgestielten und nach unten umgewendeten weiblichen Gipfelblüte, die von mehreren Gruppen ebenfalls gestielter, auf je ein vom Stiel abgegliedertes Staubblatt beschränkter, männlicher Blüten umgeben wird. In einigen Fällen ist die weibliche Einzelblüte und jede männliche Blüte mit eigenem, kleinem Perianth versehen. Stets aber wird der ganze Blütenstand, das Cyathium, durch fünf Hüllblätter umschlossen, mit denen vier große elliptische oder zweihörnige Nektardrüsen alternieren, welche den Eindruck der Einzelblüte erhöhen. Dort, wo die übergebogene weibliche Blüte herabhängt, fehlt die fünfte Drüse. Zwischen den vor je einem Hüllblatte (Fig. 720 ) stehenden Gruppen männlicher Blüten sind zerschlitzte Haarbildungen auf der Infloreszenzachse vorhanden, die im Längsschnitte (Fig. 719 B ) sichtbar werden. Solche Blütenstände pflegen nun, in dichasialen Zweigen zu mehreren angeordnet, sich zu drei- bis vielstrahlig-trugdoldigen Gesamtinfloreszenzen zu vereinigen. Häufig ist die weibliche Blüte nur in einzelnen von ihnen entwickelt, in den anderen rudimentär geblieben. Zahlreiche, besonders afrikanische Euphorbia -Arten haben die Gestalt von kaktusähnlichen Stammsukkulenten (Fig. 721 ). Fig. 719. Euphorbia Lathyris. A Cyathium. Vergr. 4. B Cyathium längsdurchschnitten. Vergr. 7. C Frucht aufgesprungen zeigt das Mittelsäulchen ( c ). D Samenlängsschnitt, Keimling im Endosperm, ca Caruncula, Vergr. 4. ( A–D nach H. BAILLON. Fig. 720. Diagramm eines Dichasialzweiges von Euphorbia, fertile weibliche Blüte nur im Mittelcyathium. Nach A. W. EICHLER. Fig. 721. Euphorbia resinifera. Nat. Gr. Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell. Euphorbia und andere, aber durchaus nicht alle Angehörigen der Familie, enthalten einen bei jeder Verletzung aus den ungegliederten (bisweilen auch gegliederten wie bei Hevea) Schläuchen reichlich ausfließenden Milchsaft, der in vielen Fällen giftig ist.
Ein wichtiger Bestandteil des Milchsaftes von Hevea -Arten ( H. Sieberi, discolor, rigidifolia, paucifolia, lutea, guyanensis, Spruceana ) ist der Kautschuk (vgl.[486] ), welcher als Para kautschuk in den Tropen Südamerikas, speziell im Gebiet des Amazonas, gewonnen, lange Zeit etwa 50 % der Gesamtkautschukproduktion der Erde deckte, jetzt aber durch den in Kolonien gewonnenen Hevea-, Ficus- und Castilloa-Kautschuk weit überholt ist. Daneben ist der von Manihot Glaziovii, einer ebenfalls südamerikanischen Euphorbiacee, erhaltene Ceara kautschuk zu erwähnen. Eine nahe verwandte Pflanze, Manihot utilissima, gibt in ihren Wurzelknollen ein außerordentlich wichtiges Nahrungsmittel der Tropen ab: Maniok oder Cassave, ein Stärkemehl, dessen feinste Sorten als Tapioka oder brasilianisches Arrowroot eine Rolle im Welthandel spielen. Der in Brasilien einheimische Strauch wird jetzt überall in den Tropen kultiviert.
Fig. 722. Ricinus communis. Stark verkl. Nach BAILLON. — Giftig und offizinell.