Ricinus communis (Fig. 722 ) ist ein hoher Strauch des tropischen Afrika, der als Zierpflanze gezogen, in unserem Klima alljährlich erfriert. Der hohle Stamm ist an den massiven Knotenstellen mit langgestielten schildförmigen, handförmig eingeschnittenen Blättern besetzt. Infloreszenzen (Fig. 723 ) stehen terminal, werden jedoch durch vegetative Seitensprosse überholt. Sie tragen unten männliche Blüten mit häutigem, 4- bis 5blättrigem Kelch und bäumchenartig verzweigten Staubblättern; jede letzte Endigung trägt eine Theca. Darüber weibliche Blüten mit 3–5 Kelchblättern, einem großen dreiteiligen Fruchtknoten, der außen mit warzigen Stacheln übersät ist und in drei große gegabelte, rote Narben ausläuft. Bei der Reife liegt ein gefleckter Samen mit weißer Caruncula in jedem Fache.
Fig. 723. Ricinus communis. Blütenstand. 1⁄2 nat. Gr. Junge Frucht längsdurchschnitten. — Offizinell.
Offizinell: Euphorbium (Pharm. germ., austr., helv.) von Euphorbia resinifera (Marokko). Cortex Cascarillae (Pharm. germ., austr., helv.) von Croton Eluteria (Bahama-Inseln). Oleum Crotonis (Pharm. germ., austr., helv.) von Croton Tiglium (Ostindien). Kamala (Pharm. germ., austr., helv.), Drüsenhaare der Fruchtkapsel von
Mallotus philippinensis (ostasiatische Tropen), Oleum Ricini (Pharm. germ., austr., helv.) von Ricinus communis. Kautschuk (Pharm. germ.) von Hevea -Arten und Manihot Glaziovii.
20. Ordnung. Gruinales.
Zwittrige, durchaus fünfgliedrige, strahlige Blüten mit oberständigem, gefächertem Fruchtknoten [also K5, C5, A5 + 5, G(̱5)] finden sich bei den meisten Angehörigen der Ordnung. Sind die Blüten dorsiventral, so tritt häufig Reduktion ein (Polygalaceen). Die Staubblätter sind am Grunde verwachsen, obdiplostemon oder haplostemon und führen an ihrer Außenseite Nektarien oder solche sind als ringförmiger intrastaminaler Diskus vorhanden (Rutaceen). Die Samenanlagen sind meist hängend orientiert, mit aufwärts gerichteter Mikropyle und ventraler Raphe oder haben bei abwärts gerichteter Mikropyle eine dorsale Raphe.
Fig. 724. Blütendiagramme von Geraniaceen. A Geranium pratense. B Pelargonium zonale. Nach A. W. EICHLER. Fig. 725. Frucht von Pelargonium inquinans. Vergr. 3. Nach H. BAILLON. Fig. 726. Linum usitatissimum. A Nat. Gr. B und C Vergr. 3. — Offizinell. Gez. H. SCHENCK. Fig.727. Erythroxylon Coca. 2⁄3 nat. Gr. — Offizinell. Zu der 1. Familie Geraniaceae gehören die Gattungen Geranium mit radiären und Pelargonium mit dorsiventralen Blüten (Fig. 724 ); beide haben handnervige Blätter. Die fünf geschnäbelten Fruchtblätter führen zwei Samenanlagen in jedem Fache; sie lösen sich bei der Reife von einem Mittelsäulchen ab, öffnen sich dabei und entlassen den Samen oder bleiben geschlossen und können sich durch hygroskopische Krümmungen der Grannen in die Erde einbohren (Fig. 725, vgl. Fig.295, S. 276).
2. Familie Linaceae. Linum usitatissimum (Fig. 726 ). Der Lein ist eine alte, einjährige Kulturpflanze. Ihre zahlreichen radiären, blauen, kurzlebigen Blüten mit am Grunde verwachsenen Staubblättern und fünf freien Griffeln beschließen, in traubigen Wickeln stehend, den mit kleinen schmalen Blättern reich besetzten Stengel, dessen Bastfasern nach geeigneter Zubereitung zu Leinwand verwebt werden. Die Samen der fünffächerigen Kapsel dienen zur Ölgewinnung Oleum Lini und sind auch ihrer Schleimepidermis wegen offizinell: Semen Lini (Pharm. germ., austr., helv.) von Linum usitatissimum.
Zu der kleinen 3. Familie der Erythroxylaceae gehört der offizinelle kleine Strauch Erythroxylon Coca aus Peru mit ungeteilten ganzrandigen lebhaft grünen Blättern und blattachselständigen Gruppen kleiner weißer Blüten (Fig. 727 ). Er liefert: Cocaïnum (Pharm. germ., austr., helv.) und Folia Coca (Pharm. germ., helv.).
Guajacum officinale, ein Bäumchen Westindiens mit gegenständigen, paarig gefiederten Blättern gehört zu der 4. Familie Zygophyllaceae und liefert das offizinelle Guajakholz und Guajakharz: Lignum Guajaci (Pharm. germ., austr., helv.). Resina Guajaci (Pharm. austr., helv.).