Fig. 728. Ruta graveolens. 1⁄3 nat. Gr. — Offizinell. Fig. 729. Blütendiagramm von Citrus vulgaris. Nach A. W. EICHLER. Fig. 730. Citrus vulgaris. 1⁄2 nat. Gr. — Offizinell. Fig. 731. Quassia amara. 1⁄2 nat. Gr. Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell. Fig. 732. Blütendiagramm von Polygala myrtifolia. Nach A. W. EICHLER. Fig. 733. Polygala Senega. A Blüte, a kleine Kelchblätter, b große Kelchblätter, c Kahn, e seitliche Kronblätter, d Anhängsel des medianen Kronblattes. B Andröceum, h Antheren, vergr. — Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell. Fig. 734. Polygala Senega. 1⁄2 nat. Gr. — Offizinell. Wichtige Gattungen enthält die 5. Familie Rutaceae. Ruta graveolens (Fig. 728 ), die Raute, eine ausdauernde, halbstrauchige Pflanze mit doppelt gefiederten bis fiederteiligen Blättern. Die Endblüten ihrer dichasialen Blütenstände sind bei kräftigen Exemplaren fünfzählig, alle anderen vierzählig, strahlig, mit großem intrastaminalem Diskus. Dictamnus fraxinella, der einheimische Diptam, besitzt ansehnliche, dorsiventrale Blüten in rispigen Infloreszenzen mit oben freien Fruchtblättern. Die wichtigste Nutzpflanzen-Gattung ist Citrus[490]. Abweichend vom Typus zeigen ihre Blüten (Fig. 729,730 ) zahlreiche Staubblätter in einem Kreise bündelweise vereinigt und eine Vermehrung der Beerenfrüchte liefernden Fruchtblätter. Das Fruchtfleisch besteht aus Zotten von saftreichen Zellen, welche in die Fächer einwachsen; ihre Samen sind durch Adventivembryonen oft mehrkeimig (vgl. S. 500). Viele Arten haben einfache Blätter mit mehr oder minder geflügeltem Blattstiel; diejenigen anderer Arten jedoch sind dreizählig, und das Gelenk an der Einfügungsstelle der Spreite zeigt, daß jene scheinbar einfachen Blätter unpaarig gefiederten entsprechen, deren Endfiederchen allein erhalten blieb. Dornen an der Blattansatzstelle entsprechen den ersten Blättchen der Achselknospe. Citrus ist ostasiatischen Ursprungs; mehrere Arten haben in den wärmeren Himalayatälern ihre Heimat, und wohl alle wichtigen Kulturformen sind von den Chinesen zuerst gezogen worden. Citrus decumana, Pompelmus, tropisch; Citrus medica, diejenige Form, welche den Griechen beim Zuge Alexanders als „medischer Apfel“ bekannt, wurde, ist jetzt in verschiedenen Varietäten verbreitet, von denen Citrus ( medica ) Limonum unserer Zitrone entspricht. Dieser Baum dürfte vom 3. oder 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ab im Mittelmeergebiet gezogen worden sein. Citrus ( medica ) Bajoura (Cedro ital., Cedratier franz.), die Cedrate liefert aus ihren dickschaligen Früchten das Zitronat. Citrus Aurantium kommt in zwei verschiedenen Formen vor, als Citrus ( Aurantium ) vulgaris,Fig. 730, Pomeranze, und C. ( Aurantium ) sinensis Apfelsine; Citrus nobilis, Mandarine, ebenfalls chinesischer Abstammung. Durch Pfropfung erhaltene Chimären von Citrus aurantium und C. limonum heißen Bizzaria. Fig. 735. Blütendiagramm von Ilex Aquifolium. Nach A. W. EICHLER. Fig. 736. Acer Pseudoplatanus. 1⁄2 nat. Gr. 1 Zweig mit terminaler, hängender Blütenrispe. 2 Männliche, 3 weibliche Einzelblüte. 4 Früchte. 5 Diagramm nach A. W. EICHLER. Offizinell: Citrus vulgaris liefert: Fructus Aurantii immaturi, Cortex Aurantii fruct. (Pharm. germ., austr., helv.), Oleum Aurantii florum und Folia Aurantii (Pharm. austr., helv.), Oleum Aurantii Pericarpii (Pharm. austr.). — Citrus limonum: Cortex Citri fructus und Oleum Citri (Pharm. germ., austr., helv.). — Citrus Bergamia: Oleum Bergamottae (Pharm. helv.). — Ruta graveolens: Herba Rutae (Pharm. helv.). — Pilocarpus pennatifolius und P. Jaborandi, baumförmige Sträucher des östlichen Brasiliens mit großen, unpaarig gefiederten Blättern: Folia Jaborandi und Pilocarpinum (Pharm. germ., austr., helv.).

Wichtige offizinelle Pflanzen enthalten die 6. Familie der Simarubaceae, nämlich Quassia amara (Fig. 731 ), Surinam, und Picrasma excelsa, westindische Inseln, die Bitterholz liefern: Lignum Quassiae (Pharm. germ., austr., helv.), außerdem Cortex Simarubae Wurzelrinde von Simaruba amara (Pharm. germ.), und die 7. Familie Burseraceae, die offizinelle Harze ausscheidende Pflanzen umfaßt: Commiphora abyssinica und C. Schimperi, arabisch-ostafrikanische Bäumchen, geben Myrrha (Pharm. germ., austr., helv.), Boswellia Carteri und B. Bhau dajianae, Bäumchen derselben Heimat wie die Commiphora -Arten, liefern Olibanum, Weihrauch (Pharm. austr.). Canarium -Arten der Philippinen endlich Elemi (Pharm. austr., helv.).

Zwei seitliche kronblattähnliche Kelchblätter sind das beste Kennzeichen der 8. Familie Polygalaceae, daneben das kahnförmige untere Kronblatt und die röhrig verwachsenen acht Staubblätter. (Fig. 732,733,734 ) K5, C3, A(8), G(̲2). Einheimische Arten sind: Polygala vulgaris und P. amara, auf Wiesen häufig; P. Chamaebuxus, kleiner Halbstrauch der Alpen. Offizinell: Polygala Senega, Nordamerika, liefert Rad. Senegae (Pharm. germ., austr., helv.).

9. Familie der Sapindaceae. Meist in tropischen Gebieten heimische Pflanzen. Offizinell: Guarana (Pharm. austr., helv.) aus dem zerquetschten Samen von Paullinia cupana, einer Liana Brasiliens. Ebenso sind die Vertreter der 10. Familie Anacardiaceae meist Tropenbewohner wie Mangifera indica. Rhus toxicodendron, der Giftstrauch Nordamerikas und die Pistacia -Arten gehören hierher. Offizinell: Mastix (Pharm. austr.) von Pistacia Lentiscus. Zur 11. Familie, den Aquifoliaceae, gehören die Ilex -Arten: (Fig. 735 ) Ilex aquifolium die einheimische sog. Stechpalme, I. paraguariensis, die Matepflanze, die den Paraguaytee liefert. Endlich als 12. Familie sind die Aceraceae zu nennen, denen die Ahorn-Arten angehören mit den charakteristischen geflügelten Spaltfrüchten (Fig. 736 ), und 13. Familie die Hippocastanaceae mit der Roßkastanie Aesculus hippocastanum.

21. Ordnung. Frangulinae.

Die Ordnung wird charakterisiert durch nur einen Staubblattkreis vor den Kronblättern und einen intrastaminalen Diskus.

Die einzige einheimische Gattung der sonst in den Tropen verbreiteten 1. Familie Rhamnaceae ist Rhamnus. Rh. Frangula, Faulbaum (Fig. 737 B,738,739 ), ist ein in Wäldern und an Wegen häufiger Strauch mit wechselständigen ganzrandigen Blättern und kleinen Nebenblättchen, dessen Blüten in Gruppen oder einzeln blattachselständig stehen und bis auf das Gynäceum fünfzählig sind; die schüsselförmige Blütenachse wird als Diskus ausgebildet. Zwei bis drei Fruchtblätter mit ungeteilter Narbe liefern Steinfrüchte mit ebensoviel Samen. Rh. cathartica, Kreuzdorn, ist die zweite einheimische Art. Die Zweige sind meist dornig mit gegenständigen gesägten Blättern. Die durchweg vierzähligen Blüten (Fig. 737 A ) werden durch Fehlschlagen diözisch; weibliche enthalten vier freie Griffel und bringen viersamige Steinfrüchte, die Samen mit dorsaler Raphe. Colletia spinosa und C. cruciata sind xerophile, blattlose Sträucher Südamerikas. Offizinell: Cortex Frangulae (Pharm. germ., austr., helv.) von Rh. Frangula. Cortex Rhamni Purshianae (Pharm. austr., helv.) = Cascara sagrada von Rh. Purshiana aus Nordamerika. Syrupus Rhamni catharticae (Pharm. germ.) von Rh. cathartica.

Die nordhemisphärischen Gattungen Vitis, Ampelopsis, Parthenocissus und die tropische Gattung Cissus gehören zur 2. Familie Vitaceae (Fig. 740,741 ). Vitis vinifera, die Weinrebe, ist als alte Kulturpflanze in zahlreichen Rassen und Varietäten verbreitet. Die Blätter sind handförmig gelappt, die blattgegenständigen Rankensprosse sind ursprünglich endständig, aber durch einen Achselsproß zur Seite gedrängt. Oft stehen die rispigen Blütenstände an Stelle von Ranken, und Zwischenbildungen beider sind häufig. Der Kelch ist nur in Form eines kurzen Randes vorhanden, und die am Scheitel verwachsene fünfzählige Krone wird beim Öffnen der Blüten abgeworfen. Korinthen sind die samenlosen Früchte der Vitis vinifera var. apyrena. Die in Nordamerika und Asien verbreiteten Parthenocissus -Arten, wilder Wein, haben geteilte Blätter und klettern zum Teil mit Haftscheiben tragenden Ranken (Fig. 208 ). Offizinell: Vinum (Pharm. germ., austr., helv.). Fig. 737. Blütendiagramme. A Von Rhamnus cathartica (hermaphrodit gedacht). B Von Rh. Frangula. Nach A. W. EICHLER. Fig. 738. Rhamnus Frangula. 1⁄2 nat Gr. Blühender Zweig und Zweigstückchen mit Früchten. Fig. 739. Rhamnus Frangula. Blüte längsdurchschnitten. a Blütenbecher, b Kelch, c Kronblatt, d Staubblätter, e Fruchtknoten, Vergr. Nach BERG und SCHMIDT. Fig. 740. Vitis vinifera. Öffnung der Blüte. a Kelch, b Krone, c Diskus, d Staubblätter, e Fruchtknoten. Vergr. Nach BERG und SCHMIDT. Fig. 741. Blütendiagramm von Ampelopsis hederacea. Nach A. W. EICHLER.

[Die im Vorhergehenden gegebene Reihenfolge ist im wesentlichen derjenigen des sero-diagnostischenStammbaumes gefolgt; daß die Aquifoliaceen zu den Sapindaceen gestellt sind, ist wohl eine kleine Vereinfachung für die Aufzählung der Familien. Nun sollen auch die Ericaceen in diesen Zweig eingegliedert werden. Wenn es auch seit langem klar war, daß sie nicht zu den typischen Sympetalen gehören, so hätte man nach morphologischen Gesichtspunkten eine Anreihung an die Guttiferen oder die Ternstroemiaceen erwarten können, wohin teilweise Sympetalie, apikale Poren der Antheren und Eigentümlichkeiten im Bau der Fruchtknoten zu weisen scheinen. Somit reihe ich die Ericaceen nur mit allem Vorbehalt vorläufig als letztes Glied dem Columniferenaste ein.]

22. Ordnung. Ericinae.